Protokoll des Diskussionsabends zum Klömpchensklub

Gestern Abend fand auf Einladung der Fanbetreuung und der Fan-IG im Werner-Fuchs-Haus eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Klömpchensklub“ mit knapp dreißig Teilnehmern statt. Als Gäste waren Bürgermeister Björn Jansen (SPD), Helmut Ludwig (Franktionsgeschäftsführer der Grünen) und Alois Poquett (Vorsitzender des WABe e.V.) erschienen, um einerseits den anwesenden Fans das Projekt der WABe zu erläutern, aber andererseits auch um den Fans die Entscheidungsprozesse näherzubringen.

Die CDU sagte mit Verweis auf die Zuständigkeit des Stadion-Insolvenzverwalters und nicht vorliegender Konzepte, über die gesprochen werden könne, ab. Seitens des Aufsichtsrates der Alemannia zeigte man sich an dem Thema durchaus interessiert, verwies aber darauf, dass die interne Diskussion noch laufe und bat um Verständnis, sich derzeit entsprechend noch nicht öffentlich äußern zu wollen.

Zunächst erläuterte Alois sein Konzept nochmals ausführlich. Ziel der WABe ist es, über ihre Projekte für beispielsweise langzeitarbeitslose Menschen eine neue Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Daher wolle man einerseits den Klömpchensklub betreiben, andererseits aber auch den Stadionbetrieb (z.B. in Sachen Reinigung und Instandhaltung) unterstützen und auch gerne weitergehende Aufgaben übernehmen (z.B. dem Fanprojekt wo nötig zur Hand zu gehen). Für Projekte dieser Art stünden auch entsprechende Fördergelder zur Verfügung, darüber hinaus müsse sich der Betrieb dann selbstständig tragen. Hier sehe man durchaus Potential, die Stadiongastronomie wieder nach vorne zu bringen und auch für den Alltag außerhalb des Spieltags interessant zu machen.

Die Besonderheit seines Ansatzes besteht natürlich zweifelsfrei darin, dass die Flächen regulär vermietet werden, dass der Klömpchensklub weiterbestehen kann, und nicht zuletzt darin, dass das Projekt ein soziales Ziel verfolgt, was durchaus auch wieder der Alemannia eine positive Außenwirkung bringen könnte. Weiter muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Einrichtung des Klömpchensklubs bei anderweitiger Nutzung nicht nur abgebaut, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit (mit Ausnahme einzelner Küchengeräte, die möglicherweise auf der anderen Seite des Stadions genutzt werden könnten) auf dem Müll landen würde. Damit wäre eine fast neuwertige Einrichtung mit sechsstelligem Wert vernichtet, und darüber hinaus wäre die Räumlichkeit auf nicht absehbare Zeit (z.B. bei langfristiger Vermietung an ein Fitnessstudio) nicht mehr für die Alemannia nutzbar. Selbst wenn die Alemannia die Räumlichkeiten irgendwann wieder selber nutzen könne, müssten sie wieder neu als Gastronomiebetrieb eingerichtet werden.

So herrschte in der Runde auch große Einigkeit darüber, dass das Projekt der WABe auf jeden Fall unterstützt werden sollte. Bürgermeister Björn Jansen erläuterte dazu, dass zunächst noch nichts endgültig entschieden sei, man aber durchaus darauf achten müsse, dass nun nicht vor dem 31.1., dem Zeitpunkt der Übernahme des Stadions durch die städtische Aachener Stadion Beteiligungs GmbH, nicht schon Fakten geschaffen wurden. Eines der Hauptprobleme liege derzeit wohl darin, dass Informationen derzeit teil unvollständig, teils fehlerhaft und teils sogar schlicht falsch weitergegeben würden. So wurde er z.B. einmal darüber informiert, die WABe habe ihr Angebot zurückgezogen, was sich schließlich aber als falsch herausstellte.

Kompliziert wurde es letztlich bei den Zuständigkeiten. Faktisch wird das Stadion derzeit vom Insolvernzverwalter der Stadion-GmbH, Herrn Dr. Kebekus, verwaltet. Entsprechend ist der Insolvenzverwalter derzeit auch als einzige Person bezüglich des Stadions handlungs- bzw. unterschriftsberechtigt. Die Stadt jedoch hat durchaus ein gewisses Mitspracherecht im Hinblick darauf, dass sie das Stadion zum 1.2. übernehmen soll, und natürlich auch der Insolvenzverwalter ein Interesse an dieser Übernahme hat. Gleichzeitig findet aber auch die Stimme der Alemannia Gehör, handelt es sich um das Stadion doch nach wie vor vordergründig um ein Fußballstadion, woran sich auch durch die Übernahme nichts ändert, und wodurch die Alemannia als Ankermieter durchaus bis zu einem gewissen Grad eine Sonderstellung einnimmt. Denn trotz Vermietung der Stadionräumlichkeiten ist klar, dass sich das Stadion nur dann wirtschaftlich betreiben lässt, wenn darin wieder Profifußball gespielt wird, und natürlich auch die Gegebenheiten für Profifußball gegeben sind.

Ein vermeintliches Problem bezüglich des WABe-Konzeptes wurde ebenfalls angesprochen: Die WABe wolle nur den halben Bereich anmieten, was 450 der 900 m² Fläche entspräche. Bürgermeister Jansen verwies diesbezüglich aber darauf, dass man ja durchaus das Gesamtkonzept berücksichtigen müsse. Auch wenn es nicht gelingen würde, die weiteren 450 m² zu vermieten, müsste man dem Einnahmeausfall auch die Kosteneinsparungen gegenüberstellen, die die Stadt durch das WABe-Projekt im sozialen Bereich verzeichnen könne. Entsprechend bestünde auch kein Widerspruch zwischen dem Anspruch der Stadt, die Kosten möglichst weit zu reduzieren, und dem Konzept der WABe, denn man dürfe eben nicht den reinen Mietpreis betrachten.

Herr Ludwig ergänzte dazu, dass derzeit die Rede von einem Mietpreis in Höhe von 6,50 Euro / m² ist. Und entgegen anderslautender Gerüchte würde die WABe auch den gleichen Preis zahlen, den jeder andere Mieter zahlen müsse. Die Rede ist also von der monatlichen Miete der übrigen Fläche in Höhe von 2.925 Euro bzw. jährlich 35.100 Euro – ein Betrag, der sicher nicht zu vernachlässigen sei, der aber durchaus im Gesamtkonstrukt „Betrieb/Erhalt des Tivoli“ nicht die entscheidende Größe ist.

Ideen, wie man den freien Platz nutzen könne, gab es in der Runde jedenfalls zu genüge. So könne man dem Fanprojekt Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, dass derzeit ja noch ein Stück weiter in einem Häuschen im Hinterhof des Eichamts angesiedelt ist. Oder aber man würde den Fanshop verkleinern und die Büros der Alemannia aus dem hinteren Teil des Stadions nach vorne verlagern, so dass die Alemannia komplett in der sichtbaren Frontseite unterkommt. Dann müssten die Mitarbeiter auch nicht in den Presseraum ziehen, der aktuell noch nicht mal über ein Fenster verfügt, der Fanshop müsse ebenfalls nicht auf die speziell am Spieltag ungünstige Position auf der Stadionrückseite umziehen, und die Besucher eines Fitnessstudios auf der Stadionrückseite müssten wiederum nicht einmal rund um das Stadion zum Parkhaus laufen.

Theo Heiligers informierte derweil über seine laufende Petition zum Enthalt des Klömpchensklubs. Mittlerweile seien 500 Unterschriften zusammen gekommen, nun müsse er natürlich wissen, an wen er die Liste übergeben könne. Bürgermeister Jansen empfahl dazu die Bürgerfragestunde des Stadtrats nächste Woche Mittwoch. Nach wie vor kann die Petition online unterzeichnet werden.

Zusätzlich kam auch noch die Frage auf, inwiefern sich die Fans denn bei einer Fortführung des Kömpchensklubs einbringen könnten. Dies sei bereits früher, obwohl sich die Stadiongruppe darum regelmäßig bemüht habe, leider nur schwer bis gar nicht möglich gewesen. Alois verwies darauf, dass man durchaus etwas am Ambiente verändern müsse, immerhin könnte man den derzeitigen Klömpchensklub nur nach ein paar Bieren ertragen, jedoch habe für ihn erstmal Priorität, das geplante Geschäft ans Laufen zu bringen. Immerhin steht er diesbezüglich auch der WABe gegenüber in der Verantwortung. Später dann die Fans einzubeziehen, wenn es um Gestaltungsdetails geht oder Fan-Veranstaltungen geplant werden sollen, könne er sich aber natürlich sehr gut vorstellen.

Die Herausforderung besteht nun darin, alle beteiligten Personen von dem Konzept zu überzeugen. Davon sei man gar nicht so weit entfernt: Alois betonte, dass er das Gefühl hatte, der Aufsichtsrat würde sein Konzept durchaus begrüßen, die Grünen stehen hinter dem Projekt und Bürgermeister Jansen weiß von einer Klausurtagung der SPD zu berichten, dass auch innerhalb der SPD-Fraktion großer Zuspruch zu erwarten sei. Bezüglich der CDU, wusste man in der Runde mitzuteilen, gäbe es zwar noch einzelne kritische Stimmen (z.B. bzgl. der langfristigen Erfolgsaussichten des WABe-Projektes), aber auch dort wachse der Zuspruch für das Konzept. Bürgermeister Jansen schlägt vor, dass er als Vorsitzender des Stadtsportbundes versucht, die (Mit-)Entscheider aller Beteiligten (Politik, Alemannia, WABe, Insolvenzverwaltung) an einen Tisch zu bringen, um einmal gemeinsam über das Konzept zu sprechen. So lasse sich auch vermeiden, dass Informationen aus welchen Gründe auch immer fehlerhaft bei den Adressaten ankommen. Aus der Runde wird darauf hingewiesen, dass ein solcher Termin eine gute Idee ist, dass dieser aber zeitnah stattfinden müsse, bevor dann doch Fakten geschaffen wurden. Die Arbeiten zum Umbau des Presseraums zwecks Umzugs der Mitarbeiter und des Fanshops seien jedenfalls schon beauftragt.

Seitens der Fans will man sich darum bemühen, dass Thema weiter in der Öffentlichkeit zu halten, um es so präsent zu halten. Dazu wurden drei Punkte vorgeschlagen: Die Fanbetreuung bzw. die Fanbeauftragten geben die Stimmung unter den Fans intern an die Verantwortlichen weiter, die Fan-IG wird sich zeitnah öffentlich klar positionieren und Theo Heiligers wird, wie schon im Vorfeld erwähnt, die Unterschriften der Petition an die Politik übergeben.

Gegen 21 Uhr endete die sehr konstruktive Sitzung mit der Verabredung der Beteiligten, in der Angelegenheit untereinander in Kontakt zu bleiben und das Thema wie besprochen weiter voran zu treiben.

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