Protokoll des monatlichen IG-Treffens am 12. Nov. 09
Tagesordnung:
1. Begrüßung
2. Bornemann – Das Gespräch
- 1. Persönliche Vorstellung – Fragen an Andreas Bornemann
- 2. Meisterschaft oder Abstiegskampf – Wohin geht die Alemannia?
- 3. Seeberger und Krüger – Der Wechsel
- 4. Transfers – was ist zur Winterpause möglich, was wünschenswert, wie ist die Ausrichtung in die Zukunft?
- 5. „Hören ´se mal, was ich immer schon mal fragen wollte…“
3. Mitteilungen/Sonstiges
1. Begrüßung:
Die anwesenden IG-Mitglieder werden durch den Sitzungsleiter Klaus Offergeld begrüßt.
Neben dem heutigen Talkgast, Sportdirektor Andreas Bornemann ist auch der neue Präsident der Alemannia, Dr. Alfred Nachtsheim, Vizepräsident Klaus Dieter Wolf und Beisitzer Dr. Christoph Terbrack als Gast zugegen.
Die Alemannia-Familie trauert – Die Alemannin Biggi hat uns am vergangenen Wochenende nach schwerer Krankheit für immer verlassen, und auch unser Nationaltorwart ist von uns gegangen. In einer stillen Gedenkminute sind unsere Gedanken bei ihnen.
2. Das Gespräch
Zum heutigen Monatstreffen hat die IG den Sportdirektor der Alemannia, Andreas Bornemann eingeladen. In äußerst angenehmer Atmosphäre stellte sich der Gast den Fragen der zahlreich erschienenen Fans. Der kurzweilige Abend brachte, abgesehen von den Diskussionen über die sportliche Situation, den Menschen Andreas Bornemann den Fans näher.
1. Persönliche Vorstellung – Fragen an Andreas Bornemann
Andreas Bornemann ist im südbadischen Neuenburg, südlich von Freiburg, aufgewachsen und hat dort auch sein Abitur abgelegt. Er war Mitglied im örtlichen Fußballclub, der im Übrigen die Vereinsfarben der Alemannia trägt, und spielte dort, bis er in die A-Jugend des SC Freiburg wechselte. Dort wirkte er über 20 Jahre sowohl aktiv auf dem Platz als auch später hinter den Kulissen. Über Praktika in verschiedenen Bereichen wurde er schließlich Assistent des sportlichen Leiters Andreas Rettig. Von Beginn an hat Bornemann das Projekt „Fußballschule Freiburg“ mit getragen, mit dem das Profil des Ausbildungsclubs von der Dreisam zusätzlich geschärft werden sollte.
Der Aufbau eines Nachwuchsleistungszentrums sowie die Sichtung von trainierendem und betreuendem Personal gehörte zu den Aufgaben Bornemanns, der dann beim FC Freiburg nach dem Wechsel Rettigs zum 1. FC Köln die vollständige sportliche Verantwortung übernahm.
Der Abschied Bornemanns in Freiburg nach Ende der Saison 2006/2007 hatte in erster Linie mit dem Abschied Volker Finkes zu tun. Mit dem langjährigen Trainer des SCF hatte Bornemann nach eigener Aussage sehr gut und konstruktiv zusammen gearbeitet und konnte daher die Umstände der Demission des Trainers nicht nachvollziehen.
Der erste Kontakt mit der Alemannia war ein Treffen mit Geschäftsführer Frithjof Kraemer und Erik Meijer im November 2008 in einem Café in Bitburg – und ob man’s glaubt oder nicht, man war wirklich im Café, nicht in der benachbarten Brauerei.
Darauf angesprochen macht Bornemann deutliche Mentalitätsunterschiede zwischen den Badenern und den Aachenern aus. Die Ausschläge von Euphorie und Depression seien hier viel stärker und treten viel schneller auf. „Badische Gemütlichkeit“ gäbe es hier nicht, dafür ist der Stellenwert des Fußballs hier sehr viel höher, weshalb die Arbeit hier aber auch ungeheuer viel Spaß macht.
2. Meisterschaft oder Abstiegskampf – Wohin geht die Alemannia?
Grundsätzlich sei die Situation bei der Alemannia gerade nicht einfach, betont Bornemann. Das neue Stadion sei natürlich eine finanzielle Belastung und unterliege gewissen unternehmerischen Risiken, dennoch sei der Bau alternativlos gewesen. Trotz der finanziellen Zwänge, die mit dem Stadion verbunden sind, ist der Lizenzspieleretat 2009/2010 höher, als er es mit dem Spielbetrieb im alten Stadion hätte werden können. Dort hätte man in jedem Fall und auch bei voller Auslastung rote Zahlen geschrieben – dies sei nun nicht mehr der Fall.
Bornemann habe es nicht gerne gesehen, dass die Medien der Alemannia eine Zielvorgabe vor der Saison zugeschrieben haben. Intern sei die Maßgabe natürlich gewesen, so erfolgreich wie möglich zu sein – Gerüchte der Sorte „Die wollen ja gar nicht aufsteigen!“, sollten endlich in das Reich der Fabeln verwiesen werden. Mit guten Leistungen, der richtigen Integration der Neuen und bei ausbleibendem Verletzungspech könnte man sich durchaus vorstellen, zu einer größeren Gruppe zu gehören, die um die oberen Plätze spielt. Eine Aufstiegsgarantie hätte man aber von vorne herein nicht geben können und auch gar nicht geben wollen.
3. Seeberger und Krüger – Der Wechsel
Andreas Bornemann kannte Jürgen Seeberger vor seinem Engagement in Aachen nur aus der Distanz, also aus den Testspielen des SCF gegen Schaffhausen sowie aus einer Hospitation des Konstanzers in Freiburg.
Es sei nicht möglich gewesen, bei 28 Punkten aus der Hinrunde 2008/2009 gegen den Trainer zu argumentieren und stattdessen nötig gewesen, diesem den Rücken zu stärken. Kennenlernen sei immer nur aufgrund von objektiven Kriterien möglich, dies seien in erster Linie die geholten Punkte. Er habe sich über die Unruhe im Umfeld gewundert und hoffte, dass diese wieder abebben würde. Darüber hinaus sind die schon fast traditionellen finanziellen Zwänge der Alemannia der Grund dafür gewesen, dass in der Winterpause keine großen Transfers möglich waren. Diese Zwänge hätten natürlich auch eine frühzeitige Auflösung eines Trainervertrags (mit den Zusatzkosten für Co-Trainer usw.) bedeutet. Eine weitere Frage wäre gewesen, wer dem – was die Punkte angeht – erfolgreichen Seeberger hätte nachfolgen sollen: „Wer tut sich diesen Job mit der Erwartung an, er müsse die 28 Punkte der Hinrunde übertreffen?“
Der Fantreff vor dem Mainzspiel sei trotz aller Härte richtig gewesen. Die Mannschaft habe sich richtig zusammengerissen, und bis zum 33. Spieltag mit um den Aufstieg gekämpft.
Platz 4 sei das zweitbeste Resultat der Alemannia in der 2. Liga gewesen. Auch in der Phase vor dem Treff seien die Leistungen nicht so schlecht gewesen, wie sie gemacht wurden – Bornemann erinnert in diesem Zusammenhang an die Spiele gegen Nürnberg, Duisburg und in Freiburg. Gute Spiele seien der Mannschaft zugesprochen worden, schlechte Spieler wären auf die Kappe des Trainers gegangen. Erst mit dem Fantreff wäre die Mannschaft aus der Komfortzone rausgekommen.
In der Vorbereitung zur aktuellen Saison hätten sich die persönlichen Probleme zwischen Mannschaft und Trainer Seeberger gebessert, wenngleich es natürlich ein fragiles Gebilde blieb. Das 0:5 beim ersten Spiel im neuen Stadion gegen St. Pauli sei aber dann der Knackpunkt für eine Entwicklung gewesen, die nicht mehr umgekehrt werden konnte. Trotz des 3:0-Heimsiegs gegen den FSV Frankfurt war die Stimmung schlecht, so dass die Entscheidung für die Beurlaubung Seebergers getroffen werden musste.
4. Transfers – was ist zur Winterpause möglich, was wünschenswert, wie ist die Ausrichtung in die Zukunft?
Grundsätzlich sei es schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt Aussagen über personelle Entscheidungen zu treffen. Bornemann wird vor dem Jahreswechsel mit Frithjof Kraemer in Gespräche über die Verlängerung des eigenen Vertrages sowie auch über die Ausrichtung der Alemannia in der Zukunft reden. Erst dann wird man tatsächlich wissen, welches Budget zur Verfügung steht, um den Kader entsprechend zu gestalten. Man wartet noch auf zugesagte Gelder.
Die Aussagen Bornemanns können so interpretiert werden, dass er sich eine Vertragsverlängerung vorstellen könne. Die Arbeit mache Spaß und sei spannend. Bornemann hat die Idee, dass notfalls auch noch einmal ein Schritt zurück gemacht werden muss und die Alemannia für 1-2 Spielzeiten mal nur Platz 8-10 belegt, um sich in dieser Zeit die Voraussetzungen zu schaffen, dann richtig angreifen zu können.
Damit sind vor allem die Punkte Nachwuchsleistungszentrum, Trainingsmöglichkeiten usw. angesprochen. Diese Aspekte seien vor dem Hintergrund zentral bedeutend, dass man wieder verstärkt auf junge Spieler, nach Möglichkeit auch aus der Gegend setzen möchte. Dies mache man derzeit beispielsweise schon mit der intensiven Einbindung von Manuel Junglas und Kevin Kratz, von denen sich der Sportdirektor begeistert zeigt. Die Transfers im Sommer seien auch perspektivisch sinnvoll gewesen, es sei jetzt junges Spielerpotenzial im Kader.
Es gebe insbesondere im Jugendbereich viele Baustellen, denen man sich zeitnah widmen werde. Die Stelle des Jugendkoordinators wird ab 1.2.2010 wieder besetzt – ein Name wurde nicht genannt.
Dann würden auch persönliche Befindlichkeiten der Jugendspieler wieder besser betreut (in diesem Zusammenhang wurde der Name Pires-Rodrigues angesprochen).
Die Frage nach den Motiven hinter der Verpflichtung von Babacar Gueye beantwortete Bornemann ausführlich: Natürlich sei es immer schwierig, wenn ein neuer Trainer mit vorhandenem Spielermaterial seine eigene taktische Idee umsetzen muss. Jürgen Seeberger sei Anhänger eines Systems mit zwei klassischen Stürmern gewesen, in das Gueye aufgrund seiner Ausbildung als Stürmer gut gepasst hätte. Als Linksfuß sei er jedoch auch im linken offensiven Mittelfeld einzusetzen und deswegen im taktischen Konzept des neuen Trainers Michael Krüger auch dort zu finden.
Hervé Oussalé habe z.Zt. laut Andreas Bornemann noch Anpassungsprobleme. Weil es z.T. schwierig sei, Gespräche zu führen und Kritik anzubringen, denke man auch darüber nach, sich im Winter zu trennen, wobei der Sportdirektor klarstellt, dass er eigentlich sehr froh ist, einen solchen Spieler wie Oussalé im Kader zu haben.
Im Sommer hatte man darüber nachgedacht, Pierre de Wit zu verpflichten. Dieser verletzte sich leider schwer, so dass die Verpflichtung scheiterte. Darauf angesprochen betonte Bornemann, dass man nach wie vor mit diesem „Klassespieler“ in Kontakt sei, er sei sogar beim ersten Spiel gegen St. Pauli im Stadion gewesen. Man müsse abwarten, wie der Heilungsprozess fortschreitet, so dass de Wit für die Winterpause eher kein Thema ist. Außerdem wolle man ihn nicht anderen jungen und starken Spielern wie Kratz und Junglas „vor die Nase setzen“.
5. „Hören ´se mal, was ich immer schon mal fragen wollte…“
Mit dem Zuschauerzuspruch im neuen Stadion sei Bornemann wie auch Frithjof Kraemer bisher zufrieden. Man wolle natürlich das Stadion voll bekommen, das ginge aber nur, „wenn man anständig kicke“.
Etwas verärgert nimmt der Sportdirektor die Handlungen einiger Fans während der Spiele zur Kenntnis. Man stärke den Spielern nicht den Rücken, wenn man sie mit Häme bedächte oder man seine Angst zur Schau stelle, wenn ein Rückpass auf Thorsten Stuckmann zurückkommt. Die Mannschaft brauche Unterstützung und Selbstvertrauen, um nachhaltig erfolgreich zu sein.
Zum Thema Christoph Moritz sagte der Sportdirektor, dass er im Februar 2009, als der Spieler, der sehr unauffällig, aber stark spielt, aufgefallen ist, unmverzüglich versucht habe, ihn mit einem Zweijahresvertrag an die Alemannia zu binden. Das sei nicht möglich gewesen, weil die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt wohl schon zu Gunsten von Schalke gefallen gewesen sei.
Lewis Holtby, Moritz‘ Freund, sei zu Schalke gegangen, und zu diesem Zeitpunkt sei auch noch Moritz‘ Ex-Trainer Högner der Jugendtrainer auf Schalke gewesen. Vor diesem Hintergrund hatte die Alemannia keine Chance. Spieler sind heute in früherem Alter schon weiter als früher, deswegen müsse man das Talent früher erkennen – dies sei vor seiner Zeit, so Bornemann, (Moritz spielte seit der B-Jugend bei der Alemannia) versäumt worden.
Reiner Plaßhenrich ist der Sportdirektor für seinen Einsatz als Co-Trainer nach der Entlassung von Jürgen Seeberger sehr dankbar. „Heini“ schufte wie verrückt für sein Comeback, man wolle aber auch im Falle eines Karriereendes versuchen, ihn an den Verein zu binden.
Andreas Bornemann wollte sich nicht auf die Frage einlassen, welche drei Spieler er ungeachtet irgendwelcher Zwänge zur Alemannia holen würde. Ein Star alleine sei nicht sinnvoll – und vor diesem Hintergrund freut sich der Sportdirektor, mit Spielern wie Kevin Kratz und Manuel Junglas, die er sich als Zukunft der Alemannia vorstellen könnte, zusammen zu arbeiten.
3. Mitteilungen/Sonstiges
- IG-Fanartikel
Voraussichtlich zu Beginn der Rückrunde wird es seitens der IG neue Fanartikel wie Pins, Aufnäher und Schals am Fantreff zu kaufen geben. Weitere Details dazu Folgen demnächst.
Bei Wilfried sind ab sofort Alemannia-Karnevalsorden und ein dazu passender Pin zu erwerben. Weitere Details könnt ihr persönlich bei Wilfried erfragen.
- Nächstes Fanclubtreffen der Alemannia
Das nächste Fanclubtreffen der Alemannia findet am 30.11.2009 um 19:00 Uhr im Klömpchensklub statt. Die Einladungen dazu werden in Kürze durch den Fanbeauftragten an die Fanclubs versandt.
- IG-Weihnachtsfeier
Die Weihnachtsfeier der IG findet am 10.12.2009 ab 19:00 Uhr im Fanhaus statt. Wie im Vorjahr werden auch wieder einige Spieler zu Gast sein. Für das leibliche Wohl an diesem Abend wird bestens gesorgt sein.
- 20 Jahre Fanfreundschaft zwischen Kerkrade und Aachen – die Fanfete
Anlässlich der zwanzigjährigen Freundschaft zwischen den Fans von Roda JC Kerkrade und Alemannia Aachen wird es am 09.Januar 2010 ab 20:00 Uhr eine von beiden Fanlagern organisierte Fanfete geben.
Veranstaltungsort: Black Onyx Saloon (Neustr. 108 in Kerkrade)
Eintritt: 5,00 € (drei Wertmarken sind im Preis inbegriffen)
Eintrittskarten können ab sofort bei den Alemannia Supporters und in Kürze auch am Fantreff bei der Fan-IG erworben werden.
Darüber hinaus findet aus diesem Anlass an diesem Abend (voraussichtlich) um 18:00 Uhr ein Freundschaftsspiel zwischen den Profiteams von Roda JC Kerkrade und Alemannia Aachen statt.
- IG-Mitgliederkampagne
Zum nächsten Heimspiel gegen RW Ahlen startet die neue IG-Mitgliederkampagne. Dazu wurden 5.000 Flyer incl. Anmeldeformular gedruckt. Diese sollen bei den nächsten Heimspielen gezielt verteilt werden. Alle Anwesenden werden gebeten bei der Verteilung der Flyer mitzuhelfen.
- Kranzniederlegung des Alemannia-Förderkreises
Am vergangenen Samstag (14.11.2009) fand die jährliche Kranzniederlegung des „Förderkreis Alemannia Aachen 2000“ am Alemannia-Gedenkstein für gefallene Mitglieder statt.
Mit einem Rückblick auf die vergangene Jahreshauptversammlung der Alemannia und dem Ausblick in eine positive Zukunft mit einem Verein, der wieder „der Verein der Mitglieder“ werden wird geht das Treffen nach einem guten Gedankenaustausch zu Ende.
(aw, sbr)




