Offenes Werner-Fuchs-Haus

 Im Sommer 2011 wurde das Offene Werner-Fuchs-Haus ins Leben gerufen. Mit diesen regelmäßigen Abendveranstaltungen soll das Werner-Fuchs-Haus lebendig und im Bewusstsein gehalten werden. Diese Abende wurden im letzten Jahr einmal im Monat veranstaltet. Im letzten halben Jahr fanden unter anderem ein Grillabend, Spielabende und Fan-Börsen statt.

Nun geht das Offene Werner-Fuchs-Haus in die nächste Runde: Es wurde ein Organisationsteam beauftragt, diese Abende zu planen und durchzuführen.

Ab Januar 2012 wird an jedem Dienstag das Werner-Fuchs-Haus geöffnet. Im Januar wird unter anderem ein Nostalgie-Abend mit Jupp Martinelli, Lutz van Hasselt (Fanbeauftragter) und Dr. Edgar Cremer (Förderkreis 2000) stattfinden.

 Zudem werden im Januar und Februar Alemannia-Kostüme für Karneval gefertigt. Alemannia-Fans werden in diesem Jahr am Öcher Rosenmontagszug teilnehmen – mehrere IG-Mitglieder haben ihre Teilnahme schon zugesagt.

Das Motto lautet

Vür sönd et Hazz va Oche, än vür trecke an enge Stropp“

 

Weitere Termine:

  • 10. Januar: Nostalgieabend mit Jupp Martinelli, Dr. Cremer und Lutz van Hasselt.
  • 17. Januar: Thema Karneval.
  • 24. Januar: Thema Karneval.
  • 31. Januar: Skat- und Spieleabend.

Für den Februar schon ein Sonderhinweis: An Veilchendienstag (21.2.) soll ein Fischessen zum Karnevalsausklang stattfinden. Grundsätzlich freuen wir uns an diesem wie an allen anderen Terminen über jeden Gast – ob IG-Mitglied oder nicht, ob Karnevalsteilnehmer oder nicht. Im Vordergrund stehen stets der Austausch und das gemütliche Gespräch unter Alemannia-Fans.

Weitere Aktionen sind für die nächsten Monate in Planung. Ihr werdet darüber rechtzeitig informiert.

Schwarz-Gelbe Grüße,

das WFH-Team

Die Alemannia-Doku, Teil 18

Teil 18: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 09/10 Das neue Stadion
· 09/10 Neues Präsidium, neuer Manager, neue Euphorie?

Das neue Stadion

Es war eine Monumentalleistung dieses Stadion zu bauen, es gab viele Hürden zu überwinden. Eng, steil und laut sollte es sein und den alten Tivoli schnell vergessen machen. Eine solide Grundlage für ein wirtschaftliches Fundament um im Profifußball auch die nächsten Jahre erfolgreich im Wettbewerb zu bestreiten.

Mit dem FC St. Pauli kam ein attraktiver Gegner, das Montagabendspiel sorgte für eine bundesweite TV Präsenz bei der Eröffnung des neuen Stadions. Die Vorfreude war groß, das Kribbeln gewaltig und als es endlich soweit war gab es erst mal ungläubiges Staunen. Von innen war das ausverkaufte Stadion einfach toll – zumindest im ersten Moment. Es gab endlich (anders als im alten Tivoli) eine Fankurve mit geballter Stimmstärke, die Anfeuerung von den Stehplatzrängen war gewaltig und laut. Vergessen alle negativen Stimmungen, Querelen und Probleme, jetzt hieß es das neue Stadion genießen. Die ersten Minuten begannen schwungvoll in einer tollen Atmosphäre mit einigen schönen Spielzügen und Chancen für den TSV. Vergessen hatten aber wohl alle auch Marius Ebbers, der nach der temporeichen Anfangsphase das erste Tor auf dem neuen Tivoli erzielte – was angesichts seiner Treffsicherheit gegen den TSV keine echte Überraschung sein konnte. Überraschend war aber das was danach passierte: Alemannia ließ sich orientierungslos ausspielen und -kontern, sie wurde am Ende der ersten Halbzeit völlig an die Wand gespielt und ging mit 0-4 in die Pause. Härter konnte die Ernüchterung wohl kaum sein, effektiver konnte die Euphorie um das neue Stadion wohl kaum zerstört werden. Am Ende kam Alemannia sportlich mit 0-5 noch erträglich unter die Räder, als aber bei den Jubelszenen der Pauli Fans ein Anhänger von der Balustrade fiel und sich schwer verletzte, hatte der Abend ein entsetzliches Ende und Ausrufezeichen bekommen.

Es war schwer sich von diesem Abend zu erholen und mit der Normalität weiter zu machen. Diese Niederlage war eine Demütigung, zu groß waren die spielerischen Defizite und die Überlegenheit des FC St. Pauli an diesem Abend (und das mit einigen Ex Alemannen wie Lehmann, Ebbers, Bruns, Gunesch…). Dieser Euphoriekiller verdunkelte schnell auch den rosaroten Blick auf das neue „Superstadion“ – man kam sich vor wie in des „Kaiser’s neue Kleider“. Es ist anders in diesem Stadion, die Art und Weise Fußball zu schauen und zu genießen für alt eingesesene Alemannia Fans, vorsichtig ausgedrückt doch gewöhnungsbedürftig. In den ersten Spielen im neuen Stadion war schnell klar geworden, dass vieles was mit Alemannia Aachen verbunden war auch eng mit der alten Spielstätte verknüpft war – es ist als wenn wir seit dem auf der Suche nach einer neuen Identität wären.

Zurück zum Fußball: In Kaiserslautern erkämpfte die Mannschaft zwar ein Unentschieden, aber die Spielweise erinnerte keinesfalls an eine selbstbewusste Truppe, die durch ihr Auftreten den Gegner dominieren kann, sondern an eine Mauertaktik hoffnungslos unterlegener Gegner auf dem Tivoli aus den erfolgreichen Jahren. Immer offensichtlicher waren die sportlichen Probleme dieses Kaders, das Verhältnis zum Trainer war mehr als gestört. Ein völlig neues Erlebnis gab es dann im nächsten Heimspiel gegen FSV Frankfurt zu bestaunen: Mit 23.000 Zuschauern wirkte das neue Stadion gähnend leer, vor allem hinter dem Gästetor grüßte eine total verwaiste Tribüne. Zu Hause auf eine leere Tribüne zuzuspielen war für Alemannia 2010 völlig ungewohnt und nie dagewesen, das muss ein absolut lähmendes Erlebnis für die Fußballer gewesen sein. Es war jedenfalls ein Auftritt zum vergessen, vor allem in der zweiten Halbzeit. Die sportliche Leitung versuchte das Spiel noch schön zu reden (das Ergebnis zählt) doch in den Tagen danach spitzte sich die Lage zu und nach einem Gespräch mit der Mannschaft musste Bornemann Jürgen Seeberger entlassen. Für Bornemann war das ein erstaunlich offensiver Auftritt – hatte er sich doch nach dem Debakel gegen St. Pauli dezent zurück gehalten. Co Trainer Willi Kronhardt übernahm vorübergehend das Training und Bornemann veröffentlichte das Anforderungsprofil für den neuen Trainer – demnach gab es Hoffnung auf einen erfahrenen, erfolgreichen Coach am Ruder der Alemannia.

Nach einem leblosen Auftritt in Oberhausen kündigte der Interimstrainer eine harte und ungemütliche Woche an und bemängelte, dass gerade von den Spielern die bei der Entlassung des Trainers nach vorne geprescht waren, nichts zu sehen war. Den neuen Trainer wollte der Manager nach dem 2-0 Heimsieg gegen 1860 München präsentieren. Aufgeregt und mit Spannung verfolgten viele Alemannia Fans die Entwicklung, als einer der Favoriten wurde Mike Büskens gehandelt. Als in der Presse der Bericht kam dass Bornemann dem Aufsichtsrat zwei Kandidaten (die allerdings mit dem Anforderungsprofil nichts mehr zu tun hatten) – Peter Vollmann und Michael Krüger- vorgeschlagen hatte, zeigte sich viel Unverständnis und eine harte Ernüchterung bei den Fans. Diese beiden Namen standen nicht für Aufbruch, einen positiven Ruck nach vorne sondern klangen im ersten Moment nach Not- oder Billiglösung.

Nun, der AR schmetterte den Wunschkandidaten Peter Vollmann ab und nahm die andere Alternative – auch ein Fingerzeig in Richtung Bornemann, der zunächst große Hoffnungen mit seinen vollmundigen Ankündigungen geschürt hatte! Michael Krügers erster Auftritt in Frankfurt beim DFB Pokalspiel ging gründlich daneben – der TSV spielte ohne Abwehr und Konzept und lag kurz nach der Pause mit 1-5 hinten. Krüger bewies Mut bei diesem Spielstand und wechselte alle offensiven ein, die es in Aachen gibt und sein Team kam auf 4-5 ran, allerdings gab es keine Chance auf ein Weiterkommen, denn ein Elfmeter in der letzten Minute besiegelte das Pokalaus. Was sollte man aus diesem Spiel mitnehmen? Hoffnung oder Angst?

Das reizvolle Duell gegen den überraschend starken Aufsteiger Fortuna Düsseldorf war jedenfalls langweilig und endete torlos – der folgende Auftritt daheim gegen Cottbus war spielerisch eine echte Leistung, die leider nicht vom Erfolg gekrönt war. Ein Auer allein reicht nicht, der TSV scheiterte mehrfach an dem Versuch das zweite Tor zu erzielen und ließ einige hochkarätige Chancen aus, am Ende stand ein mageres 1-1.

Der zu erwartenden Niederlage in Bielefeld wurde allenthalben etwas positives abgerungen, das sich allerdings nicht im Heimspiel gegen Union Berlin widerspiegelte. Alemannia Aachen präsentierte sich ideen-, konzeptlos und leicht auszuspielen, so konnte der Aufsteiger leicht und locker mit 4-1 drei Punkte vom Tivoli entführen. Am Rande notiert sei, dass das letzte Tor der Berliner nicht nur bei den Zuschauern für ungläubiges Staunen sorgte, es war sicher auch eins für die Kuriositätenshow.

Nach diesem Spiel kamen erste Zweifel am neuen Trainer auf – ist das der richtige Mann für Alemannia? Die Abstiegsränge waren jedenfalls bedrohlich nahe gekommen und er hatte während der zweiten Halbzeit einen eher ratlosen Eindruck gemacht. Wer gedacht hatte, dass dieser Auftritt den Manager auf den Plan gerufen hätte um ein paar deutliche Worte in Richtung Mannschaft zu senden, der lag falsch. Von Bornemann kam nichts, gar nichts. Keine guten Aussichten für die kommende außerordentliche Jahreshauptversammlung – glücklicherweise wurde durch den unerwarteten Auswärtssieg in Augsburg etwas Druck aus den Segeln genommen

Neues Präsidium, neuer Manager, neue Euphorie?

Die außerordentliche verlief – abgesehen vom etwas merkwürdigen Stimmenauszählverhalten des demokratischsten Vereins Deutschlands – größtenteils ruhig und alle Kandidaten wurden gewählt (mit mehr oder weniger notwendiger Mehrheit). Die Location (Reithalle in der Soers) war auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber den Verein übernimmt ein unverbrauchtes Gesicht und steht so für einen Neuanfang. Dr. Alfred Nachtsheim wird Präsident und überzeugt die Mitglieder mit einem positiven Auftritt nicht nur an diesem Abend.

Sportlich gab es allerdings wenig überzeugende Leistungen zu vermelden: Knapper Sieg gegen Hansa Rostock, absolut schwaches Auftreten in Koblenz und einem unfassbaren spielerischen Tiefpunkt zu Hause gegen Rot Weiß Ahlen. Zwei Tage vor diesem Spiel preschte der Geschäftsführer der GmbH Fritjof Kraemer an die Presse und verkündete die kommende Vertragsverlängerung mit Andreas Bornemann, dem der Geschäftsführer überzeugende Arbeit in allen Eben bescheinigte, sorget für Überraschung und einiges unverständliches Kopfschütteln. Diese überzeugende Arbeit ließ sich wohl kaum auf dem grünen Rasen ablesen, denn nach dem 0-2 Debakel gegen die Ahlener zog der AR der GmbH die Reißleine und entließ den verantwortlichen Manager bevor er eine Vertragsverlängerung unterzeichnen konnte – so etwas kann es wohl nur bei Alemannia Aachen geben.

Dieses Spiel war ein absoluter Tiefpunkt (ich habe ja einige geschildert, aber das war dann doch noch eine neue „Qualität“), denn die bis dahin sieglosen Ahlener beendeten am Tivoli ungefährdet eine Serie von 17 Spielen ohne Sieg (und haben danach auch nicht mehr gewonnen). Dass der Trainer in der Halbzeitpause Nemeth und Auer auswechselte kam einer Kapitulation glich und trieb auch dem letzten Fan die Zornesröte ins Gesicht. Die Fans protestierten nach dem Spiel heftig und es gab (mal wieder) eine Aussprache zwischen Fans und Mannschaft.

Glücklicherweise wurde der freie Fall gestoppt – ich war nach dem Ahlen Spiel nicht mehr optimistisch was den Klassenerhalt angeht. In Fürth traf eine kompakter auftretende Alemannia Mannschaft auf einen „Angstgegner“ der schon nach wenigen Minuten eine noch größere Verunsicherung offenbarte als der TSV. Mit dem 1-0 von Patrick Milchraum kam etwas Sicherheit ins Spiel der schwarz gelben und zerrte weiter an dem Nervenkostüm der Franken. Zwar kamen die Fürther direkt nach der Pause zu einigen wenigen Gelegenheiten den Ausgleich zu erzielen, aber immer wieder zerstörten die Greuther ihre eigenen Angriffsbemühungen durch Fehlpässe oder unerklärliche Stockfehler. Es war nur konsequent, dass die Aachener das 2-0 erzielten und den Sack zumachten – das war ein dringend benötigter „Dreier“ zum richtigen Zeitpunkt.

Das 1-1 zu Hause gegen Paderborn war ein unerklärlicher Rückschlag, eine selbstbewusste Mannschaft tritt ganz anders auf. Dann zeichnete sich ein Silberstreif am Horizont ab: Der Aufsichtsrat verkündete, dass Erik Meijer den Posten des Managers übernimmt und als Geschäftsführer den sportlichen Bereich eigenverantwortlich leiten kann. Ein positives Signal, einer mit dem sich der Alemannia Fan identifizieren kann und der für die sportlich erfolgreichste Phase des Vereins steht – ein echtes Gesicht und Aushängeschild des TSV Alemannia Aachen.

Schon das Auftreten beim Auswärtsspiel in Duisburg hatte Erik’s deutliche Handschrift: Seine Präsenz und Körpersprache ist eine andere, seine Ansprache an die Mannschaft schien schnell zu wirken. in den ersten Minuten war eine absolut kompakte und dominante Alemannia auf dem Rasen zu bestaunen. Nach 20 Minuten hatte Aachen das Spiel im Griff und drückte auf den Führungsstreffer, der auch von den quirligen Gueye erzielt wurde. Zuvor waren schon einige gute Chancen der Alemannia vom starken Duisburger Torwart mit gleichen Namen vereitelt worden. Auch die zu erwartende Drangphase nach der Pause überstand der TSV – mit ein bisschen Glück (Stuckmann hielt einen Elfmeter) aber durchaus verdient. Immer wieder konterte Alemannia schnell und geschickt in Richtung MSV Tor und erzielte nach einem schönen Angriff durch Gueye das 2-0, die „Messe war gelesen“. Das war eine ganz starke Leistung (die beste der Saison), die auf die Rückrunde hoffen lässt!

Mit Erik Meijer, den Fans und dem neuen Stadion besitzt Alemannia ein Potenzial das sicherlich erstligareif ist. Auf der anderen Seite steht, dass der Verein (oder muss ich sagen die GmbH?) nach einer unglaublichen Berg- und Talfahrt das erste Jahrzehnt des neuen Millennium im Mittelfeld der zweiten Liga mit einer Menge Schulden und einer zweifelhaften Liqidität beendet – genau da wo dieses Jahrzehnt auch begonnen wurde. Insofern waren die Warnungen „man soll nie vergessen wo wir herkommen“ überflüssig – oder hat vielleicht auch die häufige Wiederholung dieses Spruchs letztendlich dafür gesorgt dass wir dahin zurückgekehrt sind wo wir herkamen?

Immerhin hat Alemannia Aachen die Tabellenführung der ewigen Tabelle der zweiten Liga übernommen (und müsste eigentlich als erster Kandidat auf einen Aufstieg in die Bundesliga gelten)– aber was heißt das schon? Als die alte Oberliga West ihren Spielbetrieb einstellte war der TSV Alemannia Aachen an dritter Stelle in der ewigen Tabelle dieser Liga zu finden, noch vor dem 1.FC Köln und nur hinter Borussia Dortmund und Schalke 04. Für die erste Liga hat es in den 60ern trotzdem nicht lange gereicht…

(Fortsetzung folgt – irgendwann – sicher!)

Die Alemannia-Doku, Teil 17

Teil 17: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 08/09 Die Tivoli Abschieds-Saison
· 08/09 Neuer Manager – andere sportliche Perspektiven?
· 08/09 Chaos pur!

Die Tivoli Abschieds Saison

Ein Saisonziel wurde nicht ausgeben aber die Mannschaft sollte verändert werden. Präsenter in der Abwehr, kompakter im Mittelfeld und mit Benjamin Auer ein echter Torjäger, dazu ein Rückkehrer mit Markus Daun. Ein Talent namens Lewis Holtby sollte als „Geheimwaffe“ fungieren und für spielerisches Element sorgen. Die als Enttäuschung verbuchten Kolev, Pecka und Lagerblom verließen die Alemannia auf eigenen Wunsch.

Aber eine Saisonvorbereitung ohne Querelen? Natürlich nicht! Alex Klitzpera sollte auch gehen, der Trainer plante ohne ihn. Wurde der Umstand, dass mit Alex der dienstälteste Spieler und einer der Helden in der so erfolgreichen Zeit gehen musste, schon kontrovers diskutiert, goss der Trainer schnell Öl ins Feuer. Eine von vielen Fans geforderte, ordentliche Verabschiedung gab es nicht, der Trainer degradierte Alex und der Musterprofi, der wie kein anderer typisches Alemannia Fußballblut in den Adern hatte, wehrt sich. Fassungslosigkeit macht sich bei den Fans breit, irgendwie löst sich die Affäre dann aber doch mit dem Wechsel von Alex zum FSV Frankfurt auf. Was sich aber nebenbei offenbarte: Jörg Schmadtke würde seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag wohl nicht verlängern und der Trainer hatte alle Macht zum Schalten und Walten.

Der Saisonauftakt gestaltete sich holperig wie fast immer. Einem mühsamen Auftaktsieg gegen Wehen folgte eine schlappe Niederlage in Rostock, die allerdings als couragierter Auftritt gegen einen Bundesligaabsteiger verkauft wurde. Ein Unentschieden in Nürnberg gegen einen weiteren Absteiger sorgte für Aufregung: Die 2-0 Halbzeitführung wurde im zweiten Durchgang nicht nur verspielt sondern eher schmeichelhaft in ein 2-2 umgewandelt. Kritik an der Leistung, der Aufstellung und Einstellung wurde mit der alt bekannten „überzogenen Erwartungshaltung“ abgetan. Die Stimmung zwischen Trainer und Fans verschlechterte sich zusehends. Aber für den „Fall“ des Trainers reichte es nicht – zum einen war das Schicksal von Schmadtke mit Seeberger verknüpft, zum anderen fehlte dem guten Jörg der Gestaltungswille (weil er selber seine Zukunft nicht mehr in Aachen sah) und die Ergebnisse waren nicht so katastrophal dass zwingend gehandelt werden musste. In Duisburg schlitterte der TSV nur knapp an einem Debakel vorbei, das Endergebnis von 3-2 aber sprach eine andere, freundlichere Sprache. Diesem Spiel folgte das Pokalausscheiden in Wehen nach einer erneut total desolaten Leistung, die die Gemüter der Fans weiter erhitzte.

So wunderte sich der Gästetrainer Robin Dutt nach dem nächsten Spiel in Aachen warum denn zu so einem frühen Zeitpunkt in Aachen über den Trainer diskutiert wurde. Aber die Siege waren nicht wirklich überzeugend und die Auswärtsauftritte meistens sehr mau und blutleer. Mitten in die ohnehin schon leicht prekäre sportliche Situation platzte dann Jörg Schmadtke mit einem Fernsehinterview vor dem Montagabendspiel gegen die bis dahin ungeschlagenen Mainzer. Er werde seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern so der Manager, der Sieg gegen die Mainzer geriet daraufhin zur Nebensache. Der Aufsichtrat der GmbH (und nicht der Geschäftsführer) beurlaubte darauf hin am nächsten Tag Schmadtke und damit ging eine überaus erfolgreiche Ära zu Ende.

Schmadkte hatte einen großen Anteil an dem Aufschwung des TSV, ohne seinen Ehrgeiz, seine Zielstrebigkeit und seine Dickfelligkeit, die ihn für Außeneinflüsse unerreichbar machte wäre Alemannia wahrscheinlich von der Bildfläche verschwunden. Aber die Zeit in Aachen hat ihre Spuren auch an Jörg Schmadtke hinterlassen und so war es wohl nur eine Frage der Zeit wann er den Tivoli verlassen würde.

Nach dem unnötigen 1-1 in Fürth zeigte die Alemannia ihr „hässliches“ Auswärtsgesicht auch am Tivoli, gegen den sehr limitierten Aufsteiger RW Ahlen – mit einem indiskutablen Auftritt wurde mit 0-2 verloren. Mühsam klettere Aachen danach dann doch wieder nach oben, durch ein Serie von 6 Spielen ohne Niederlage wurde der Anschluss an die Aufstiegsplätze hergestellt. Im letzten Vorrundenspiel in Augsburg (1-3)lieferte Aachen dann wieder Zündstoff für die Trainerdebatte, mit einem total leblosen Auftritt wurde die eigentlich gute Ausgangslage getrübt.

Neuer Manager – andere sportliche Perspektiven?

Andreas Bornemann hießt der neue Manager, er kam aus Freiburg wo er unter Volker Finke erfolgreich arbeite. Bornemann weigerte sich allerdings ein Ziel für den Rest der Saison auszugeben, das von den Fans herbeigesehnte Signal zum Angriff auf die Aufstiegsplätze blieb aus. Vorsichtig und besonnen wollte der neue Manager die Aufgabe angehen – konkrete Kommentare zu sportlichen Leistungen oder Vorstellungen sollten von ihm weniger ausgehen. Immerhin zeigte der Manager seine ganze Kompetenz und Afrika Connection mit der Verpflichtung von Hervé Oussalé kurz vor Ende der Spielpause.

Desolat wie die Hinserie beendet wurde begann auch die Rückrunde –in Wehen schoss die Alemannia nicht ein einziges Mal auf das Tor und setzte einen neuen Tiefpunkt. Der erste Gegner der verbleibenden 9 „Tivoliabschiedsspiele“ wurde mit Hansa Rostock begrüßt, eine Mannschaft die stark in den Abstiegsstrudel geraten war. Die Besucher des Spiels staunten nicht schlecht, da stand nämlich eine andere Mannschaft auf dem Spielfeld. Spielfreudig, kombinationssicher und laufstark ging diese Mannschaft mit 3-1 in Führung und vergab etliche gute Chancen die Führung auszubauen. Leider hatte diese Mannschaft keine schwarz gelben Trikots an, es waren die Rostocker die gar nicht wie ein potenzieller Absteiger aussahen – sondern 80 Minuten wie die sichereren Sieger. Mit einer erstaunlichen Kampfmoral bogen die Alemannen dieses Spiel allerdings noch um und schafften den Ausgleich.

Begleitet wurden die Abschiedsspiele von eher peinlichen Showevents der Marketingabteilung – ein müdes Kopfschütteln und zartes Lächeln war noch das beste was man dafür übrig haben konnte. Nach dem Spiel lobte der Manager die Arbeit des „besten und erfolgreichsten Trainers der zweiten Liga“, „58 Punkte in 34 Spielen sprechen eine deutliche Sprache“ so die Worte von Bornemann. Man sein „sportlich total auf einer Linie“ und er werde sich zeitnah um eine Vertragsverlängerung mit Seeberger kümmern – ganz konträr zur allgemeinen Lage und Meinung am Tivoli.

Untermauert wurde seine Meinung im nächsten Heimspiel gegen den Club. Mit einem spektakulären Auftritt von Lewis Holtby besiegte der TSV den Absteiger mit 6-2 und gab den Fans neue Aufstiegshoffnungen. Aber wie so oft nach einem kurzen Höhenflug kommt der Absturz schnell: zunächst sorgt die Meldung dass Horst Heinrichs, der bei den Fans beliebte Präsident, im Sommer vom Verwaltungsrat nicht mehr zur Wiederwahl nominiert werden soll, für negative Stimmung, das torlose Unentschieden in Ingolstadt brachte viele(s) auch sportlich wieder auf den Boden der Tatsachen, schwach, konzeptlos und ohne Durchschlagskraft präsentierten sich die Tivoli Kicker in der Audistadt. Der Platzverweis für Vukovic nach einer mehr als töpelhaften war sicher eins der negativen Highlights der Saison, bitter allerdings dass Markus Daun mit einer völlig überflüssigen Aktion ebenfalls die rote Karte sah und sich zudem auch noch übel verletzte.

Ein Kommentar zu dieser „unterirdischen“ Leistung blieb von dem sportlichen Leiter aus – er hatte ja mit der Verlängerung des Vertrages von Jürgen Seeberger bereits ein „Zeichen“ gesetzt. Die beiden folgenden Spiele konnten den Alemannia Fans dann allerdings nur noch den Zorn ins Gesicht treiben. Gegen den MSV (zu Hause) und in Freiburg wurde jeweils 1-2 verloren, in beiden Spielen „versäumte“ es der Trainer durch Einwechslungen einen „schlagbaren“ Gegner auszuknocken um dann konsequent selber KO zu gehen. Nach diesen Tiefschlägen taumelte Alemannia ins Niemandsland der Tabelle und die Stimmung rund um die Krefelderstraße glich einem Pulverfaß. Ein (unüberlegtes) Interview vom Geschäftsführer und Manager legte dann die Lunte zur Explosion der Volksseele – Aachen ist nur Mittelmaas und muss sich vor allen an den nicht vorhandenen finanziellen Mitteln orientieren, der nächste Gegener St. Pauli hat ganz andere Möglichkeiten. Das setzten die Spieler auch im Spiel um, sang und klanglos gab es eine in allen Belangen verdiente Niederlage. Es folgten wütende Proteste der Fans, Blockade des VIP Zeltes und laute Rufe nach dem Kopf des Trainers. Zur vorübergehenden Beruhigung wurde eine „Aussprache“ mit den Fans anberaumt. Was die sportliche Leitung nicht an Motivation leisten konnte, besorgten die Fans: Irgendwie müssen die deutlichen Worte eine erstaunliche Wirkung bei der Mannschaft hervorgerufen haben, jedenfalls rettete ein unerklärlich deutliches 4-1 beim folgenden Auswärtsspiel in Mainz den Kopf des Trainers. Und auf einmal ging es wieder, mit Siegen gegen Fürth und in Ahlen konnte der TSV wieder oben ran kommen. Was die Fans am Tivoli aber vom Trainer Seeberger halten wurde nach dem nächsten Heimspiel gegen den FSV Frankfurt deutlich: Sie feierten einen Helden! Alex Klitzpera bekam nach dem Spiel „standing Ovations“ von den Zuschauern und wurde von dem S-Block mit einer Humba gefeiert. Es war in Aachen nicht vergessen dass er ein Motor des Erfolges der letzten Jahre war, ein Vorzeigeprofi der dieses Spiel ehrlich arbeitete! Diese lautstarken Sympathiekundgebungen und seine Ehrenrunde müssen Seeberger wie eine schallende Ohrfeige vorgekommen sein, wunderte sich doch der Trainer dass von dem 2-0 Sieg niemand wirklich Notiz nahm. Es folgte ein ungefährdetes 2-0 in Koblenz und nun fragte sich jeder: Kann Alemannia Aachen doch noch mal ins Aufstiegsrennen eingreifen?

Die nächsten Aufgaben schienen machbar, Oberhausen und Osnabrück sollte man schlagen, dann wäre alles möglich. Wer jetzt einen Manager oder Trainer erwartete die positive Parolen ausgeben würden, der wurde schnell eines besseren belehrt. Euphorie dämpfen, Erwartungen klein reden und den nächsten Gegner stark machen hieß die Strategie. Nun es funktionierte: Oberhausen und Osnabrück waren zu stark, ein mageres Unentschieden war zu wenig als Ausbeute aus diesen Spielen – ein Punkt statt 6 ließ die Aufstiegschancen auf ein theoretisches Minimum schrumpfen. Drei Spiel gab es noch, aber auch schon vier Punkte Rückstand und nur der sechste Platz, hinter dem nächsten Gegner 1.FC Kaiserslautern. So hilfreich wie man sich auf Seiten des TSV den roten Teufel in der letzten Saison gezeigt hatte so wenig kooperativ gab man sich im vorletzten Heimspiel am Tivoli, das 1-0 bedeute das Ende der Aufstiegshoffnungen vom 1. FC Kaiserslautern. Rechnerisch wurde durch das 1-1 bei 1860 München auch für Alemannia das Aufstiegsrennen beendet, so konnte ein ungefährdetes 3-0 gegen Augsburg den würdigen Endpunkt unter den Aachener Tivoli setzen und die Saison mit 56 Punkten auf dem vierten Platz beendet werden. Einen faden Nachgeschmack hinterließ diese Saison trotzdem – nicht nur weil der geliebte Tivoli seine Tore schlissen sollte!

Chaos pur!

Sie hatten es sich so schön ausgemalt, die Alemannia Verantwortlichen: Mit Günther Reinartz sollte ein „Linientreuer“ neuer Präsident werden, das ganze Präsidium des Vereins für harmonische Zusammenarbeit stehen. Allen Diskussionen und Vorwarnungen zum trotz ignorierten sie die Stimmen der Mitglieder und Fans im Vorfeld- die nach Aufklärung im Fall „Horst Heinrichs“ riefen, die Erklärungen für das „Ausbooten“ von potenziellen Kandidaten ohne Gründe verlangten – und gingen unvorbereitet in die anstehende Jahreshauptversammlung. Keine Erklärungen, kein Plan B, statt dessen nur die Ankündigung des zu wählenden Präsidiums entweder komplett oder gar nicht anzutreten. Eine turbulente Versammlung folgte die klare Fakten schaffte (Reinartz wurde deutlich nicht gewählt und damit war die Versammlung beendet, Horst Heinrichs von den Mitgliedern minutenlang frenetisch gefeiert) aber viele Fragen offen ließ. Wie „schlimm“ waren die Verfehlungen Horst Heinrichs? Und wie lange vorher wussten man im Verwaltungsrat davon, bevor sie gegen Heinrichs verwendet wurden? Nach der gescheiterten Versammlung tappten die Verantwortlichen immer weiter in Fettnäpfchen und sanken tiefer in der Beliebtheitsskala. Der Staatsanwalt ermittelte mal wieder und der Notvorstand Heinrichs trat zurück (Die Vorwürfe gegen ihn wurden fallen gelassen und die Untersuchung letztlich eingestellt) – wer genau den Ermittler auf den Plan gerufen hat ist bis heute zweifelhaft. In den Hintergrund geriet dabei die Tatsache dass die GmbH offensichtlich erhebliche finanzielle Schwierigkeiten zu bewältigen hat – ein Verlust von über 3,6 Millionen € aus dem Geschäftsjahr 2008 belastete die Liquidität zusätzlich. Alemannia präsentierte sich abseits des grünen Rasens in jämmerlicher Verfassung.

Die Verantwortlichen Bornemann und Seeberger bastelten in der Zwischenzeit an einem neuen Kader, Mittelfeldmotor Matze Lehmann war nicht mehr erwünscht und Lewis Holtby wurde notgedrungen nach Schalke transferiert – was jeder schon wusste wurde als Neuigkeit präsentiert. Zusammen mit Holtby ging auch der talentierte Nachwuchsspieler Christoph Moritz nach Gelsenkirchen – ohne Ablöse (er war durch das Talentnetz der Aachener geschlüpft). Amen Demaii und Thorsten Burkhardt waren die namhaftesten Zugänge, Nico Herzig hieß der Rückkehrer aus Bielefeld. Nach dem erfolgreichen Holtby Transfer zog Bornemann noch Babacar Gueye aus dem Hut, ein franco senegalesisches super Talent, der zwar teuer sei aber sicher eine tolle Perspektive für sich und den Verein bringen würde – so der Manager (dem Trainer war der Spieler jedoch noch unbekannt).

Der erste Auftritt der neuen Mannschaft ließ jedenfalls nichts Gutes erahnen, beim mühevollen 4-1 beim Amateurligisten Torgelow offenbarte die Mannschaft erhebliche Abstimmungsprobleme im defensiven Mittelfeld und zeigte sich sehr anfällig für schnelle Konter, selbst wenn die von besseren Freizeitspielern vorgetragen werden.

Nach dem Saisonauftakt gegen den Absteiger Karlsruher SC (1-1)wurde ein eigentlich schwacher Auftritt noch schöngeredet, aber die brutale Realität holte Alemannia ausgerechnet bei der Premiere im neuen Tivoli ein.

Fortsetzung am 15. Januar, 10:00 Uhr

Die Alemannia-Doku, Teil 16

Teil 16: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 07/08 Neuanfang mit Weltmeister und indiskutablen Leistungen
· 07/08 Seeberger übernimmt

Neuanfang mit Weltmeister und indiskutablen Leistungen

Die Abstiegsdepression hatte einige Nachwehen und bedeutete auch den Neuaufbau der Mannschaft. Vor allem aber musste ein neuer Trainer gefunden werden. Namen gab es genug und schnell kristallisierte sich ein Favorit heraus: Der ehemalige Weltmeister Guido „Diego“ Buchwald kam mit der Empfehlung von zwei gewonnen Double Titeln in der J-League nach Aachen. Nur am Rande wurde notiert dass der Oberbürgermeister Jürgen Linden nun als Aufsichtsratsvorsitzender fungieren würde und dass der Stadionneubau an der Krefelder Straße konkrete Formen annahm.

Aus der Abstiegsmannschaft verließen zunächst neben Jan Schlaudraff und Sascha Dum auch Sascha Rösler, Emil Noll, Sergio Pinto, Moses Sichone und Mathias Heidrich den Verein (eigentlich muss es die GmbH heißen). Dann kam noch Vedad Ibisevic kurz vor Saisonbeginn hinzu, der Dank einer Ausstiegsklausel zum Aufsteiger TSG Hoffenheim wechslen konnte. Als Neuzugänge gab es eine Reihe von neuen Namen zu vermelden: Lubos Pecka und Todor Kolev im Angriff, Patrick Milchraum, Jerome Polenz und Pekka Lagerblom im Mittelfeld sowie Hrvoje Vukovic und Benjamin Weigelt in der Abwehr. Als dritter Torwart wurde Thorsten Stuckmann geholt. Kritiker sprachen hier schon davon dass einige Spieler von der sportlichen Leitung weder gescoutet noch beobachtet wurden.

Eigentlich war die Aussicht oben mitspielen zu können und das Unternehmen „Wiederaufstieg“ in Angriff zu nehmen nach erfolgreicher Vorbereitung ganz gut. Auch im ersten Saisonspiel gegen Carl Zeiss Jena legte Alemannia’s neue Mannschaft los wie die Feuerwehr und schon nach 6 Minuten stand es 2-0. Dann gab es plötzlich und unerklärlich einen Bruch im Spiel, nach einem Eckball erzielte Jena den Anschluß und die Alemannia Herrlichkeit war dahin. Mit zunehmender Spieldauer tat sich Aachen schwerer und so kam was kommen musste – Jena schaffte den Ausgleich und sorgte für ratlose und enttäuschte Gesichter in Aachen! Zwar gewann Aachen das emotional wichtige Spiel in Köln und auch gegen Offenbach gab es einen (wenn auch glücklichen) „Dreier“, aber es war Sand im Getriebe des TSV. Eine deutliche 3-0 Klatsche beim Aufsteiger Wehen Wiesbaden sorgte noch für Nachdenklichkeit, einem trostlosen 0-0 daheim gegen1860 München folgte eine sang und klanglose 0-2 Niederlage in Fürth. Ein zorniger Jörg Schmadtke offenbarte mit seiner schonungslosen Kritik was jeder in Aachen spürte: Die Chemie zwischen dem Schwaben Guido, dem Team und dem Manager stimmte ganz und gar nicht!

Zwar stimmte die Punktausbeute einigermaßen, aber die spielerische Leistung der Mannschaft war von wenigen Ausnahmen abgesehen(2-0 gegen Freiburg, 3-2 gegen Bochum im Pokal) sehr dürftig. Nach dem 2-2 zu Hause gegen den – zugegeben spielerisch sehr starken – Aufsteiger Hoffenheim folgten eine Serie von leblosen Auftritten (1-2 in Aue, 2-1 gegen Kaiserslautern) die in einer trostlosen Vorstellung in Augsburg gipfelte. Nicht einen einzigen Schuss auf das Augsburger Tor gaben die Tivoli Kicker ab! Die Stimmung war in der Zwischenzeit so massiv gegen Guido gewachsen dass es nur konsequent erschien, Buchwald nach diesem Spiel zu entlassen. Schmadtke übernahm bis zum Ende der Hinserie selbst das Traineramt und musste zunächst eine herbe 0-3 Heimniederlage gegen Mainz einstecken, dann folgte ein eher mageres 2-2 gegen den Aufsteiger St. Pauli gefolgt von einem glücklichen Punktgewinn in Koblenz (0-0), so ging man mit 21 Punkten in die Winterpause.

Seeberger übernimmt

Ein in Deutschland eher unbekannter Trainer namens Jürgen Seeberger wurde in der Winterpause verpflichtet, aus Freiburg kam der Innenverteidiger Olajengbesi um die unerklärliche Abwehrschwäche bei Standards zu beseitigen. Seeberger galt als Konzepttrainer der es mit dem FC Winterthur in der Schweiz bis in die erste Liga gebracht hatte.

Sein Einstand war kurios, es gab vier mal ein 3-2 in den ersten fünf Spielen. Als erstes die denkwürdige Pokalniederlage gegen 1860 München auf dem Tivoli, 80 Minuten hatten die 60er das Spiel eigentlich beherrscht und Alemannia führte mit 2-0. Als sich alles auf ein Weiterkommen eingerichtet hatte und auch schon Rainer Plaßhenrich nach langer Verletzungspause eingewechselt worden war, schlugen die 60er innerhalb von 7 Minuten zu und besiegten Aachen mit 3-2. Umgekehrtes Bild im nächsten Spiel: Aachen war spielbestimmend geriet zweimal in Rückstand, drehte das Spiel aber durch zwei Tore in 7 Minuten. Kurz vor Schluß knallte Jan Simak, spektakulärer Neuzugang der Jenenser den Ball an die Latte des Aachener Tores, doch es blieb beim Auswärtssieg. Im Derby gegen den 1. FC Köln gab es dann noch einmal zu bestaunen was es seither nicht mehr gibt: Alemannia gewinnt ein Spiel nach einem Rückstand. Mit einer überzeugenden, engagierten Leistung wurden die Cöllner auch im zweiten Aufeinandertreffen besiegt (3-2). Aber schon der nächste Auftritt in Offenbach war ein Rückfall in schlechte Zeiten, mit minimalem spielerischem Aufwand gelang ein überaus glückliches 1-1.

Auch die nächsten drei Auftritte waren mehr als enttäuschend, auf dem Tivoli gegen Wehen 2-3, in München in einem absolut langweiligen Spiel 0-0 und dann eine deftige Klatsche zu Hause gegen Greuther Fürth (2-5). Die Ära Seeberger war vor allem durch eins geprägt: Immer wenn man dachte seine Zeit ist abgelaufen und es geht nicht mehr weiter dann ging es unerklärlicherweise wieder bergauf. Es folgte ein glückliches 1-0 beim späteren Absteiger Paderborn, ein 1-1 gegen die Bauern auf dem Tivoli, eine Niederlage im Breisgau (0-1) und ein Sieg gegen Osnabrück. Dann ging es nach Hoffenheim, das die Rückrunde mit 10 Siegen in Folge begonnen hatten und mittlerweile ein echter Aufstiegskandidaten war – dort zeigte Alemannia ein absolut starkes Spiel und besiegte die Hoffenheimer mit 2-1. Wer allerdings darauf baute, dass dies der Durchbruch zum tollen Systemfußball war, der wurde schnell eines besseren belehrt. Schon drei Tage später gab es ein unglaublich schlechtes Spiel gegen den designierten Absteiger Aue das mit einem völlig unverdienten Sieg des TSV endete (1-0) – dass es aber noch schlechter geht beweisen Aachener im nächsten Spiel auf dem Betzenberg. Immerhin kann man dieses Spiel als freundliche Hilfe für einen anderen Traditionsverein verbuchen – ein Sieg der Alemannia hätte die roten Teufel an den Rande des Abstiegs und der damit verbundenen Insolvenz gebracht. Es folgten drei weitere Siege (den Mainzern wurde der Aufstieg vermasselt) und ein eher peinliches 1-3 im letzten Spiel gegen die TuS aus Koblenz. Immerhin stimmte unter dem Strich die Punktausbeute, 30 Punkte in der Rückrunde ließen auf eine erfolgreichere nächste Saison hoffen, die letzte im altehrwürdigen Tivoli. Die Bauarbeiten am neuen Stadion hatten begonnen und es hieß eine Saison lang Abschied nehmen.

Fortsetzung am 14. Januar, 10:00 Uhr

Die Alemannia-Doku, Teil 15

Teil 15: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 06/07 Winterpause – das kommende Debakel bahnt sich an und eine Legende baut sich auf
· 06/07 Die Selbstzerstörung und der Abstieg

Winterpause – das kommende Debakel bahnt sich an und eine Legende baut sich auf

Jörg Schmadtkes Plan war es den von ihm „ungeliebten“ Jan Schlaudraff (zweifelsohne Alemannia’s Spieler der Hinrunde) in der Winterpause zu versilbern. Summen von 3,4 Millionen € Ablöse kolportierten die Runde, doch der Aufsichtsrat machte einen Strich durch die Rechnung. Schlaudraff durfte nicht verkauft werden, auch zuletzt deshalb nicht weil Jörg Schmadtke in seiner unnachahmlich störrischen Art einen Alternativplan verweigerte. Namen machten die Runde, auch ein dänischer Nachwuchsstar sollte kommen, doch der Deal zerschlug sich weil der Nachbar aus dem Norden etwas schneller reagierte, bzw. Jörg Schmadtke sich eine kleine Auszeit auf einer Safari genommen hatte. Nun es war nicht schlimm dass dieser Deal platzte, von dem Spieler hat man jedenfalls nichts merkliches vernommen und sein Name ist auch mir nicht mehr geläufig. Um etwas Öl ins Feuer zu gießen gab der Aufsichtsratvorsitzende Helmut Breuer ein Interview, in dem er die Hinrunde sportlich nicht als wirklich zufrieden stellend bezeichnete. Jörg Schmadtke konterte in einem eher peinlichen Interview das ihm eine „Privataudienz“ beim Aufsichtsrat einbrachte.

Ein wichtiger Zugang konnte aber vermeldet werden, ein neuer Geschäftsführer für die GmbH wurde vorgestellt. Kleine Pikanterie am Rande: ein erstes Anforderungsprofil war im letzten Jahr irgendwie an die Öffentlichkeit geraten – den Mann der dieses Profil erfüllen konnte gab es aber nicht, selbst Uli Hoeness wäre bei diesem Profil mit Pauken und Trompeten durchgefallen! Typisch Alemannia halt – die versprochene Professionalität auf allen Ebenen hatte sich noch nicht „durchgesetzt“. Zähneknirschend wurde dieses Anforderungsprofil etwas revidiert und „nachgebessert“ – mit Erfolg, es sollen sich über 200 „befähigte“ beworben haben.

Dann wurde auch bekannt gegeben, dass Jan Schlaudraff die Alemannia nach der Saison in Richtung Bayern München verlässt, für eine vorgeschriebene Ablösesumme von 1,2 Millionen €. Diese Ankündigung sorgte – auch Alemannia typisch- für große Unruhe im Umfeld, viele „Fans“ nahmen es dem schnellen Jan übel und beäugten jede seiner Aktionen überkritisch. Alemannia Aachen zeigte sich als absolutes Pulverfass!

Das erste Spiel nach der Winterpause ging gegen die technisch versierten Leverkusener trotz einer zwischenzeitlichen 2-0 Führung mit 2-3 verloren und man hatte das Gefühl dass hier die „kleinen“ mal gegen die „Großen“ mitspielen durften, zu deutlich war der Unterschied im spielerischen Niveau. Die Entdeckung des Spiels auf Aachener Seite war der Stürmer Vedad Ibisevic, der selbst einmal traf und einmal gelegt wurde, den fälligen Elfer verwandelte Reghe zur 1-0 Führung. Aber an diesem Abend war kein Kraut gegen Bernd Schneider gewachsen, der das Spiel der Pillendreher ankurbelte und selber auch noch 2 Tore zum Sieg beitrug.

Beim Meisterschaftskandidaten Schalke 04 gab es eine unglückliche Niederlage mit einem tragischen Held Moses Sichone. Erst traf schon wieder Ibisevic zur Führung, dann gab es einen Elfmeter der wohl unberechtigter nicht sein kann: Durch die Schulter eines hochspringenden Schalker Spieler wurde die Hand von Moses an den Ball gelenkt. Den fälligen Strafstoss verwandelten die „Knappen“ und gerieten durch ein Eigentor von Moses in der zweiten Halbzeit auf die Siegerstraße, er wurde aus vollem Lauf angeschossen und lenkte den Ball ins eigen Tor ab. Der Besuch „auf Schalke“ war interessant, es hatte nichts mehr mit den düsteren Schlägertrupps und der finsteren Atmosphäre der 80er zu tun – die Arena war ein Eventtempel gefüllt bestenfalls mit „Gazpromfähnchen“ wedelnden Kaschmirhooligans. Zudem war die Abreise extrem unerfreulich: Auf den Parklätzen rund um die Arena ging nichts und mit Wartezeiten von fast 2 Stunden musste man sich abfinden! (Da lob ich mir die 80er als man Schal und sonstige Fanutensilien unter dem Parka versteckte und dann versuchte möglichst unauffällig per Straßenbahn mitten unter „Feinden“ das Parkstadion zu verlassen)

Die Rückkehr von Dieter Hecking an den Tivoli war mit Spannung erwartet worden, die Proteste der Fans fielen (glücklicherweise) etwas harmloser aus als befürchtet. Es setzte allerdings eine deftige 1-4 Klatsche die nicht nur de TSV in Bedrängnis brachte – erstmals gab es lautstarke Unmuts Äußerungen gegen den bei dem größten Teil der Fans nicht sonderlich beliebten Michael Frontzeck, der wohl auch mit seiner spröden und nicht gerade herzlichen Art einiges zu seinem Negativimage beitrug. Fakt war aber dass die Abstiegszone gefährlich nahe gerückt war. In Interviews nach dem Spiel auf die Unzufriedenheit der Zuschauer angesprochen machten die Verantwortlichen „die überzogene Erwartungshaltung der Aachener Zuschauer“ dafür verantwortlich – Pokalfinale, UEFA Cup und Bundesligaaufstieg hatten die Fans wohl so verwöhnt dass sie die kritische Distanz zum „Machbaren“ in Aachen verloren hatten. Vielleicht war es aber die katastrophale Außendarstellung des Vereins, der GmbH und der Verantwortlichen, die nicht den Eindruck entstehen ließ dass alle Kräfte gebündelt wurden und alles mögliche für den Verbleib in der Bundesliga getan wurde…

In der Bauernarena gab es ein eher langweiliges Spiel (0-0) in dem die Hausherren zwar Feldüberlegen waren, Alemannia aber die deutlich besseren Chancen hatte. Immerhin war die Negativserie gestoppt – leider versprach das nächste Spiel nicht zu große Erfolsgchancen: Die Bayern kamen zum Tivoli und wollten sich sicher für die Pokalniederlage revanchieren. Es kam wieder anders: trotz gefühlter 90% Ballbesitz und etlichen glasklaren Torchancen brachten die Münchner den Ball nicht im Alemannia Tor unter, der einzige Bayer der traf war Alexander Klitzpera, zum Siegtreffer für den TSV! Die Bayern hatten tatsächlich drei Mal in Folge am Tivoli verloren.

Rund um das Spiel gab es die „Porsche“ Affäre, Marius Ebbers und Jan Schlaudraff hatten nach dem Galdbachspiel an einer kleinen Karnevalsparty in Köln teilgenommen und waren am nächsten Morgen in einen „Auquaplaningunfall“ verwickelt. Im Spiel gab Jan gegen seinen kommenden Arbeitgeber trotzdem alles und nur Oliver Kahn verhinderte ein Schlaudraff Tor!

Eine Woche später beim Gastspiel in Bochum holte Aachen zweimal einen Rückstand auf und war dicht dran das Spiel zu drehen als Coach Frontzeck unverständlicherweise die Handbremse anzog, den starken Ibisevic auswechselte und auch durch seine (berechtigte) Auswechslung von Jan Schlaudraff zur Pause nicht zur Beruhigung der Gemüter beitrug. Immerhin nahm Alemannia einen Punkt mit aus Bochum, stand aber vor Anpfiff des Spiels gegen die extrem stark in die Rückrunde gestarteten Mainzer auf einem Abstiegsplatz. Der TSV agierte nervös und zerfahren und lag konsequenterweise zur Halbzeit hinten, wenn auch mit 0-1 knapp (allerdings schmeichelhaft). In der Pause wechselte Frontzeck Heidrich aus, der mit einer unterirdischen Leistung zur schwachen ersten Hälfte entscheidend beigetragen hatte, und mit Reghe kam neuer Schwung. (Wobei ich die Entscheidung Heidrich aufzustellen nicht nachvollziehen konnte) Sofort nach Wiederanpfiff konnte Jan Schlaudraff zum Ausgleich einnetzen, eine ähnliche Standardsituation führte zum 2-1 durch Ibisevic – er stoplerte den Ball ins Tor. In der Folge hatte Alemannia mehrfach die Riesenchance auf 3-1 davon zu ziehen, besonders der starke Jan Schlaudraff war ein ständiger Unruheherd in der Mainzer Hintermannschaft. Nachdem Reghe einen Elfmeter verschossen hatte bot sich Mainz urplötzlich kurz vor Schluss durch Zidan per Elfmeter die Chance zum Ausgleich – diesmal versagte der Zauberstürmer aber und Straub hielt bravourös!

Mit einem fast ungefährdeten 2-0 in Cottbus begann Alemannia Anschluß an das obere Mittelfeld zu fassen, ein Sieg in der gleichen Höhe gegen Arminia Bielefeld verschaffte dem TSV vermeintliche Sicherheit und Abstand nach unten. 33 Punkte und Platz 9 vor der Länderspielpause, eine wirklich gute Ausgangsposition für die letzten 8 Spiele.

In Stuttgart verlor Alemannia gegen den VfB höchst unglücklich mit 1-3, nach dem Ausgleich durch Sichone gab es mehrere gute Konterchancen um in Führung zu gehen. In der Schlussphase kassierten die Alemannen zwei vermeidbare Gegentore und mussten sich dem späteren Meister geschlagen geben.

Die Selbstzerstörung und der Abstieg

Ohne echte Not begann nach dem Spiel in Stuttgart während der Länderspielpause eine heftige Diskussion über die Rolle von Jan Schlaudraff – nicht in der Mannschaft wohlgemerkt. Im Spiel gegen Dortmund wirkte dann die gesamte Mannschaft wie paralysiert, vor allem als nach kurzer Spielzeit Stefan Straub das Spielfeld verletzt verlassen musste. Eine katastrophale Leistung vor allem in der Defensive nach der Pause führte zu einer deftigen 1-4 Klatsche. (In einem Interview gab Michael Frontzeck vor kurzem zu, dass er gerade vor dem Spiel gegen Dortmund vieles falsch gemacht hatte) Nach diesem Spiel waren die Abstiegsränge wieder in Reichweite und das Restprogramm verhieß nichts Gutes, zunächst standen zwei Auswärtsspiele in Nürnberg und Bremen an. Die Niederlage in Nürnberg war knapp (0-1) und unnötig, eine indiskutable Leistung ließ Jan Schlaudraff noch mehr in den Fokus der Kritik rücken. Er wurde früh in der zweiten Halbzeit ausgewechselt und danach sowohl vom Trainer als auch vom Manager öffentlich hart kritisiert.

Ein andere Personalie sorgte in der Zwischenzeit für Aufregung: Bernd Maas, seit 2001 in Diensten der Alemannia und eng mit der Rettung und Sanierung des Vereins verbunden war beurlaubt und fristlos gekündigt worden – der Verdacht drängte sich auf dass er einfach nicht mehr gebraucht wurde und man sich einer unbequem gewordenen Person entledigen wollte. Zurück zum sportlichen: In Bremen ging Aachen früh in Führung und hatte dank eines sehr agilen Jan Schlaudraff mehrere Konterchancen um die Führung auszubauen. Nach der Pause gab aber die individuelle Klasse der Bremer den Ausschlag für eine weitere Niederlage, zwar gab es beim Stand von 2-1 für Bremen einige gute Ausgleichschancen, aber es fehlte das Glück und eine Portion Kaltschnäuzigkeit ehe Diego mit einem Glücksschuss aus der eigenen Hälfte ins leere Aachener Tor in der letzten Minute den Endstand herstellte. Am Ende dieses Spieltages stand Alemannia auf einem Abstiegsplatz (das erste Mal seit dem zweiten Spieltag) und die eigentlich hervorragende Ausgangsposition war innerhalb von 4 Spielen vertan. Der Druck auf Spieler und Verantwortliche nahm weiter zu und die Situation um den vermeintlichen Leistungsträger Schlaudraff spitze sich zu.

Im Spiel gegen Hertha BSC kam dann die Offenbarung – eine 0-4 Niederlage (die vor allem völlig unnötig war). Nach einem kollektiven Blackout in der Verteidigung ging Hertha mit 1-0 in Führung, danach hatte Alemannia mehrfach die Chance auf den Ausgleich, ja sogar die Halbzeitführung war möglich. (Reghe verschoss einen Elfmeter, Ibisevic spielte sich glänzend durch die Hertha Abwehr und verfehlte dann aus kurzer Distanz das leere Tor, Stehle traf nur den Pfosten). Nach der Pause nahm dann das Debakel seinen Lauf, wieder waren haarsträubende Fehler im Mittelfeld und der Verteidigung für die weiteren Hertha Tore verantwortlich. Aachen war keineswegs abgestiegen nach diesem Spiel, das rettende Ufer war absolut noch in Reichweite!

Doch statt sich zusammenzuraufen und die Kräfte zu bündeln reagierte die sportliche Leitung mit der Brechstange: Schlaudraff und Dum wurden aus dem Kader verbannt und sollten in dieser brenzligen Situation, in der es eigentlich auf jeden ankam, nicht mehr zum Einsatz kommen. Es wurde ein spontanes Trainingslager einberufen um dem Druck und der Diskussion aus Aachen zu entkommen – verantwortliche Spieler schüttelten über die Maßnahme nur den Kopf. Der Aufsichtsrat mischte sich ein und heizte die Debatte weiter an, allerdings passierte nichts in dieser heiklen Situation!
Mit einer Sponsoren Initiative wurde versucht maximale Fan Unterstützung für das Abstiegs Duell gegen Eintracht Frankfurt zu mobilisieren um im Spiel gegen die ebenfalls höchst gefährdeten Frankfurter zumindest einen wertvollen Punkt zu holen. Schon wenige Sekunden nach Anpfiff war jedem im Frankfurter Stadion klar dass dieses Unterfangen nicht gelingen würde – da stand eine komplette Torsotruppe auf dem Rasen. Frankfurt dominierte nach allen Belangen und die Körpersprache der Aachener Spieler ließ nichts Gutes ahnen, vor allem nicht nachdem die Frankfurter frühzeitig mit dem 1-0 die Weichen auf Sieg stellten. Danach spielte bis zur Pause nur Eintracht Frankfurt und nur durch einem tollen Christian Nicht im Tor, Glück und Frankfurter Unvermögen ging Alemannia Aachen mit einem schmeichelhaften 0-2 Rückstand in die Kabine. In der Pause war die Stimmung in der schwarz gelben Welt auf dem Tiefpunkt angelangt und nicht wenige Stimmen sahen die einzige Rettungschance nur in der sofortigen Suspendierung von Schmadtke und Frontzeck. Nun beide waren bei Anpfiff der zweiten Halbzeit noch da und das nächste Debakel nahm seinen Lauf. Nach Alex Klitzpera’s Notbremse und der konsequenten roten Karte kurz nach Wiederanpfiff schwand die letzte Hoffnung auf einen Erfolg, letztendlich war de TSV mit dem 0-4 mehr als gut bedient! Latte, Pfosten und Nicht verhinderten die völlige „Zerstörung“ der Aachener Mannschaft.

Es fiel sehr schwer aber man musste den Blick auf die Tabelle und die beiden letzten Spiele richten, Alemannia war weder abgestiegen noch ein sicherer Absteiger denn Wolfsburg hatte nur 3 Punkte Vorsprung auf Aachen, musste zum Tivoli und danach zu Hause gegen Werder Bremen antreten, während Alemannia die Saison beim HSV beendete, der bereits gerettet war. Die Theorie war schön und gut, doch jeder der die Debakel gegen Hertha und Frankfurt miterlebt hatte musste berechtigte Zweifel an dem Gelingen dieses Unterfangen haben, selbst die größten Optimisten waren eher vorsichtig.

Das Spiel gegen Wolfsburg ist schnell erzählt, in den ersten 60 Minuten ein zähes Abstiegsringen in dem die Wölfe das Spiel zu kontrollieren versuchten, Alemannia den Führungstreffer markieren wollte ohne bedingungslos nach vorne zu spielen. Die schwarz gelben Anhänger wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt und ohne Mithilfe des Schiedsrichters wäre wohl nichts passiert. Der Schiri zeigte nach einem sehr fragwürdigen Handspiel eines Wolfsburgers im eigenen Strafraum auf den Punkt und bescherte Alemannia damit die große Chance in Führung zu gehen. (wobei es völlig egal ist ob der Elfer berechtigt war oder nicht, schließlich hat es solche Entscheidungen gegen den TSV auch gegeben). Wer würde diese Verantwortung übernehmen? Mathias Lehmann trat an und wuchtete den Ball zur viel umjubelten Führung ins Netz. Nur ganz kurze Zeit später hätte Szilard Nemeth eine wundervolle Erfolgsstorry schreiben können – nach einer unglücklichen Saison in der er wegen einer Lungenembolie sogar in akuter Lebensgefahr schwebte! Er drückte den Ball nach einer Rösler Flanke im zweiten Anlauf zur 2-0 Führung ins Netz – auf den Rängen machte sich Hoffnung breit, bei diesem Spielstand könnte Alemannia mit einem Punkt in Hamburg sogar das unmögliche wahr machen. Doch Alemannia Aachen ist eine Achterbahn der Gefühle und der ganze Saisonverlauf wurde in den letzten 10 Minuten dann komprimiert: völlig überraschend kamen die Wölfe zum Anschlusstreffer durch einen präzisen Weitschuss und das große Zittern, Bangen und Hoffen in den letzten 10 Minuten begann. Das Entsetzen am Tivoli bekam schnell einen Namen: Diego Klimowicz schoss aus unmöglichen Winkel den 2-2 Ausgleich und zerstörte alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt! Eben noch himmelhoch jauchzend war ganz Aachen innerhalb von einer Schreckenssekunde wieder in die totale Depression zurückgefallen!

In Hamburg wurde das bedeutungslose Spiel mit 0-4 verloren und der TSV trat den bitteren Gang nach nur einem Jahr Bundesliga wieder zurück in die zweite Klasse an. Michael Frontzeck ließ erst gar keine Diskussionen über seine Person aufkommen und trat sofort zurück – eine konsequente Entscheidung! Insgesamt hat Alemannia die Reife für die erste Klasse nicht bewiesen und konnte auch das bisschen Extra Leistung nicht aus sich herauskitzeln als es von Nöten war. 5-25 Tore mit 7 Niederlagen und einem Unentschieden in den letzten 8 Spielen sprechen eine deutliche, ja sogar brutale Sprache!

Fortsetzung am 13. Januar, 10:00 Uhr

Die Alemannia-Doku, Teil 14

Teil 14: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 06/07 Erste Liga – ein Wettbewerb dem Alemannia nicht gewachsen ist?

Erste Liga – ein Wettbewerb dem Alemannia nicht gewachsen ist?

Das bekamen auch die Verantwortlichen Dieter Hecking und Jörg Schmadtke zu spüren. Hatten sie eh schon eine schwierige Aufgabe den Abgang der beiden Tivoli Lieblinge Erik Meijer und Willi Landgraf zu verkraften, mischten sich plötzlich die Verantwortlichen mehr und mehr in die Saisonplanung ein. Geplante Transfers platzen weil die „Aufseher“ ein Veto einlegten und es kam auch zwischen den beiden zu ersten Differenzen in der Frage der sportlichen Richtung. Vor allem bei der Personalie Jan Schlaudraff waren die beiden sich uneins. Als Verstärkung holte man mit Mathias Lehmann einen talentierten defensiven Mittelfeldspieler, mit Leiwakabessy eine niederländische Landgraf Kopie und mit Nico Herzig einen Innenverteidiger. Aus Frankreich kam ein relativ unbekannter bosnischer Knipser mit augenscheinlich großem Potenzial nach Aachen, Vedad Ibisevic. Irgendwo entdeckte Jörg Schmadtke auch den exellenten Fußballspieler Szilard Nemeth, immerhin slowakischer Nationalstürmer. Jan Schlaudraff bekam eine Vertragsanpassung und ging nicht zu Eintracht Frankfurt, was Jörg Schmadtke nicht so 100%ig gefiel. Sollte das für die erste Liga reichen? Die Experten zweifelten stark an der Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaft und Alemannia Aachen war trotz der relativ souveränen Zeitligasaison für viele ein sicherer Absteiger.

Die Ausgliederung wurde in der Hauptversammlung vor der Saison auf den Weg gebracht, allerdings überraschte es etwas dass die Verantwortlichen weder Jörg Schmadtke noch Bernd Maas als Geschäftsführer der neuen GmbH präsentierten. Alemannia Aachen war jetzt kein Verein mehr sondern eine Kapitalgesellschaft – es gab großmundige Versprechungen von „Professionalität“ und „Kompetenzen“ die man sich nun von außen holen wollte. Ein Aufsichtsrat wurde auch gewählt, allerdings waren hier noch keine wirklich neuen Gesichter zu sehen. Aufsichtsratvorsitzender wurde nicht der Präsident der Alemannia sondern Prof. Helmut Breuer, der als zweiter Gesellschafter neben dem Verein fungierte. (Eigentlich sollte er nach kurzer Zeit wieder ausscheiden, ist aber heute noch Gesellschafter…)

Dass in der ersten Liga ein anderer Wind herrscht bekam der TSV gleich im ersten Spiel vor Augen geführt. Mit 0-3 ging das Spiel in der Bay Arena gegen Vizekusen deutlich verloren, und dass trotz gut 3.500 mitgereisten euphorischen Fans, die ihre absolute Erstligatauglichkeit schon lange vor dem Spiel bewiesen! Nach langer Zeit kam auch Stephan Straub wieder zum Einsatz im Aleamnnia Tor, Christian Nicht leistete sich ein Handspiel ausserhalb des Strafraumes, kassierte rot und leitete damit die Niederlage ein! Nach einer Woche Aufarbeitung dieser zaghaften Vorstellung versprach Coach Hecking eine andere Truppe im Heimspiel gegen Schalke 04 auf den Platz zu schicken. Die Namen waren zwar fast identisch aber es ging ganz anders zur Sache. Zwar zeigte sich auch in diesem Spiel eine relative Unerfahrenheit – vor allem beim Gegentreffer- aber der TSV bot den Schalkern deutlich besser Paroli und hatte durchaus Chancen das Spiel erfolgreich zu beenden. Zwei Spiele, null Punkte null Tore und relative Ernüchterung – der Wind in Aachen wurde schnell rau! Ausgerechnet in Hannover beim alten „Nemesis“ Peter Neururer gelang ein überzeugender 3-0 Sieg, einer der sich dann als Phyrussieg herausstellte! Der rührige Hannover 96 Präsident und Macher Kind warf „Peter den Großen“ (Schwätzer) raus und warb unverholen um Dieter Hecking, das nicht nur mitten in der Saison sondern auch noch bei einem Ligakonkurrenten!

Im Duo Hecking/Schmadtke schlugen nun heftige Funken und nach kurzer aber heftiger Debatte verabschiedete sich Dieter Hals über Kopf aus Aachen (offiziell hieß es gegen Zahlung einer Ablösesumme), auch eine Affäre auf der Geschäftstelle und ein Ultimatum seiner Frau sollen eine Rolle gespielt haben. Wilde Spekulationen und klangvolle Namen machten die Runde wer denn nun neuer Trainer beim TSV Alemannia Aachen werden würde. Es wurde – mir stockt jetzt noch der Atem – Michael Frontzeck! Dieser Name war eine absolute Bombe – ein Trainer von der Couch und völlig unerfahren. Dazu noch ein Mönchengladbacher Urgestein wie er im Bilderbuch steht – nicht nur mir drehte sich der Magen um! Dazu auch noch direkt das Duell gegen den mehr als ungeliebten Nachbarn vor der Tür – ein Spiel und schon könnte in Aachen eine Bombe platzen. Nicht ungeschickt milderte Jörg Schmadtke den Aufschrei in Aachen mit der Ankündigung dass Erik Meijer als Co Trainer fungieren würde. Erik war so populär dass er Frontzeck’s negativ Image fast in den Schatten stellte. Gegen Gladbach gab es einen verdienten Heimsieg (4-2) mit einer tollen Vorstellung von Jan Schlaudraff und gleich danach verewigte sich MF in die Herzen der Alemannia Fans mit kernigen Sprüchen („dann tret ich ihn innen Arsch“) über den schnellen Jan, der fortan als Reizfigur nicht nur in der sportlichen Leitung unterwegs war.

Es folgte ein Besuch bei den großen Bayern und auf den Wiesn. Lautstark unterstützt von über 5.000 mitgereisten Fans hatten die Alemannen die Bayern wieder am Rande einer Niederlage, nur durch tatkräftige Mithilfe des Schiedsrichtergespannes gelang den Bayern ein äußerst schmeichelhaftes 2-1 (der Ausgleich der Bayern war absolut regelwidrig, der vermeintliche Ausgleich der Aachener absolut regelkonform). Egal, im nächsten Spiel am Tivoli machte Bochum zwar die Partie aber der TSV gewann 2-1 und hatte sich erst mal mit 9 Punkten oben in der Tabelle angesiedelt, nur einen Punkt hinter dem Spitzenreiter Hertha BSC auf Platz 6. Durch das Freitagsspiel in Mainz bestand die Chance zumindest für eine Nacht ganz oben in der Tabelle zu stehen – sie wurde genutzt. Mit 3-1 stürmte der TSV das Stadion am Bruchweg und war eine Nacht lang ganz oben! Die harte Realität holte den TSV schnell wieder ein: Mit 1-2 gab es gegen Cottbus eine höchst vermeidbare Heimpleite und mit 1-5 setzte es dann auf der Alm die erste deftige „Klatsche“. Gegen den VfB, der in den letzten Spielen stark aufgekommen war hatte der TSV daheim nichts zu bestellen, in einem tollen Tempoangriffsspektakel setzte es ein 2-4 Niederlage.

Dann kam der Auftritt in Dortmund, vor fast 70.000 Zuschauern musste Jan Schlaudraff auf die Tribüne (Denkpause) und Aachen bot einen zähen Abwehrriegel auf. Christian Nicht hielt sensationell wenn es gefragt war und die Null stand. Leider war Chrsitian Fiel mutterseelenallein im Dortmunder Strafraum so überrascht dass er einen klassischen“Lufttritt“ produzierte und so den möglichen Sieg verschenkte. Egal ein Punkt war auch was in diesem tollen Stadion, schließlich spielt Alemannia nicht ständig vor 70.000 Zuschauern. Zwei Heimspiele folgten, zwei weitere Unentschieden ebenfalls. Das gegen Nürnberg war glücklich, das gegen Bremen höchst unglücklich (mit einem Sensationstor von Jan Schlaudraff)! Bei der Niederlage gegen Hertha in Berlin hatten Christian Nicht und der Schiri einen Black Out, Nicht beim Ausflug im Strafraum der das 1-2 produzierte, der Schiri als er Aachen kurz vor Schluss bei einem üblen Foul von Simunic (der bei der WM als erster Spieler überhaupt 3 gelbe Karten in einem Spiel kassiert hatte) an Rösler im Strafraum den fälligen Elfmeter verweigerte. Sascha Rösler brach sich das Bein bei der Aktion und fiel lange aus. Eine höchst überflüssige Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt ließ Aachen wieder gefährlich nahe an die Abstiegsränge rutschen, ein unerwarteter Auswärtstsieg in Wolfsburg verschaffte dann etwas Luft.

Das letzte Ligaspiel des Jahres war dann noch mal ein echter Knaller – ein Spiel der echten Marke „Tivoli“. Der HSV hatte eine Seuchenserie gespielt und steckte tief im Keller. Nur ein Sieg in 16 Spielen und ganz unten drin, eine komplett verunsicherte Truppe mit einem noch mehr verunsicherten Trainer Doll. Bei typischen Tivoliwetter (strömender Regen) hielten beide Mannschaften voll drauf und spielten kompromisslos nach vorne! Es gab Chancen im Minutentakt hüben wie drüben, die Torhüter hatten Schwerstarbeit zu leisten. Die Abwehrreihen schienen nicht existent zu sein und so war es ein Wunder dass der HSV zur Pause nur 1-0 führte, es hätte auch 7-4 oder 3-3 stehen können. Nach der Pause ging es munter weiter mit dem Offensivspektakel, allein die Torausbeute ließ zu wünschen übrig. Als Alex Klitzpera sich selbst zum Mittelstürmer unfunktionierte wurde er im Strafraum klar gelegt und den fälligen Elfer verwandelte Reghe sicher zum 1-1. Danach übernahm der HSV das Kommando wieder und ging völlig verdient mit 3-1 in Führung. Alemannia steckte nicht auf und kam durch Fielo zum 2-3 Anschluss, setzte danach alles auf eine Karte und drängte mit Macht auf den Ausgleich. Der Tivoli – ohnehin kein Ort der Ruhe – glich jetzt einem absoluten Tollhaus und peitschte die Alemannia nach vorne. Die sich zwangsweise ergebenden Konterchancen vergaben die Hamburger alle mehr oder weniger kläglich und Bastian Reinhard setzte dem HSV mit Pech und Unvermögen noch einen „krönenden“ Abschluss obendrauf – mit der allerletzten Aktion köpfte er beherzt eine Flanke von Jan Schlaudraff zum Verdutzen aller Beteiligten völlig unbedrängt ganz sauber im Stile eines Klassetorhüters ins eigene Tor zum nicht mehr für möglich gehaltenen 3-3 Endstand! Man brauchte ein paar Minuten um sich von diesem Spektakel zu erholen.

Dann kam das Spiel das letztendlich wohl den Grundstein für die „Selbstzerstörung“ in der Rückrunde legen sollte, kurz vorm Weihnachtsfest kamen erneut die Bayern zum Tivoli zu einem Pokalspiel. Die Bayern hatten noch eine Rechnung am Tivoli zu begleichen und traten als zweimaliger Double Gewinner in Folge in Aachen an – die letzte Pokalniederlage gab es in Aachen…

Mit Michael Rensing im Tor hatten die Bayern noch kein Spiel verloren und natürlich herrschte große Skepsis im Umfeld ob der TSV das sensationelle Ergebnis von vor zwei Jahren wiederholen könnte, schließlich besiegt man die Bayern nicht so häufig. Es kam ganz anders: Vor der Pause düpierte Alemannia dem Rekordmeister mit beeindruckenden Tempo- und Konterfußball, mit einem entfesselt aufspielenden Laurentiu Rehecampf ging der TSV noch vor der Pause 3-0 in Führung (ein fantastsicher Freistoß zum 2-0) – den Fans und Fernsehzuschauern bot sich ein absolut bedienter Uli Hoeness auf der Bayern Bank! Dabei hatten die Aachener noch Pech als der Alemannia Freund Fandl einem regulären Treffer von Vedad Ibisevic die Anerkennung verweigerte!

Man kann sich die Stimmung in der Halbzeitpause bei den Bayern lebhaft vorstellen, es muss geradezu köstlich gewesen sein nebenan zu lauschen. Der Rekordmeister kam jedenfalls mit grimmigen Mienen zurück auf den Rasen und wechselten Lukas Podolski ein, der dann direkt zum Anschlusstreffer traf. Bayern erhöhte massiv den Druck und kam nicht unerwartet durch einen van Bommel Weitschuss zum 2-3. Jetzt musste man schon Angst bekommen, denn die Überlegenheit der Bayern war extrem. Mit viel Glück, Können und einigermaßen großem Bayern – Unvermögen vor dem Tor überstand Alemannia diese Phase des Spiels unbeschadet. Immer wieder setzte Jan Schlaudraff bei Kontern „Nadelstiche“ bis er dann den „Deckel“ drauf machte, ein fantastisches Solo über der ganzen Platz schloss er in unwiderstehlicher Manier mit dem 4-2 Siegtreffer ab und weckte damit bei den Bayern Begehrlichkeiten. Gerüchte gab es schon vorher, aber nach dem Spiel war es offensichtlich dass Jan nach München wechseln würde! Aber erst mal hieß es diesen Sieg auszukosten und ein bisschen zu feiern – allerdings konnte die Party nicht an die Siegesfeier nach dem ersten Triumph anschließen.

Fortsetzung am 12. Januar, 10:00 Uhr

Die Alemannia-Doku, Teil 13

Teil 13: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 05/06 Der Aufstieg

Der Aufstieg

Simon Rolfes verließ nach einer fantastischen Saison den Tivoli in Richtung Vizekusen und brachte dem TSV eine schöne Ablösesumme. Auch Daniel Gomez fand keinen Platz mehr im Alemannia Kader und heuerte in Cottbus an. Chris Iwelumo war wohl doch nur ein Experiment und konnte sich nie durchsetzen, Dennis Brinkmann war lange im Mittelfeld eine treiben Kraft, ihn zog es aber nach Braunschweig. Mit Goran Szukalo und Matze Heidrich kamen zwei Mittelfeldspieler, Erwin Koen, ein holländischer Stürmer mit einer linken Klebe, sollte für Unterstützung ganz vorne sorgen. Zwei Spieler aber standen für den entscheidenden Unterschied: Marius Ebbers und Sascha Rösler. Bei Marius Ebbers war ich mir sicher: allein die Tatsache dass Marius keine Tore mehr gegen Alemannia schießen konnte war extrem wichtig.

Der Start in die Aufstiegssaison war- wie konnte es bei Alemannia Aachen auch anders sein – sehr wechselhaft. Nach 10 Spielen stand Aachen mit einer ausgeglichenen Bilanz mit 5 Siegen und 5 Unentschieden im tiefen Mittelfeld der Tabelle. Besonders faden Beigeschmack hatte die Heimniederlage gegen Kickers Offenbach (0-1) in Willi Landgraf’s 500. Zweitligaspiel. Ganz hübsch und volkserregend war dabei der Auftritt des OFC Torhüters Sead Ramovic, der mit seinen andauernden Mätzchen den gesamten Tivoli gegen sich aufbrachte – aber man sieht sich ja immer zweimal im Leben!

Eine Woche später folgte dann am Montag ein Besuch in der neuen Allianz Arena in München, jede Menge „Arena Touristen“ wollten sich das an einem Brückentag nicht entgehen lassen, aber es gab nur ein 0-0 zu bestaunen. Gegen den spielerisch starken Aufsteiger Eintracht Braunschweig (mit Trainer Michael Krüger) konnte ebenfalls Montags ein mühevoller 2-1 Sieg herausgearbeitet werden, dabei wurde der Braunschweiger Spieler Martin Amedick zum tragischen Held, erst schoss er den Ausgleich für die Eintracht, dann das Siegtor für Alemannia auf Flanke von Sergio Pinto per Eigentor.

Die Initialzündung folgte gegen den Absteiger VfL Bochum im Ruhrstadion, mit tollem Tempofußball und einem überragenden Jan Schlaudraff wurde der VfL 4-1 abgeschossen! Die unzähligen, stimmungsvollen und lauten Alemanniafans verschafften diesen Auftritt im Fußballherzen „Ruhrpott“ den passenden Rahmen!

Gegen Paderborn gab es ein verdientes, aber etwas glückliches 2-1 durch ein spätes Alex Klitzpera Tor und der TSV stand erstmals in der Saison auf einem Aufstiegsplatz. Zwar ließ man beim 2-2 in Siegen zwei Punkte liegen, schockte dann aber den nächsten Bundesligaabsteiger SC Freiburg im Breisgau mit 2-0. Ein Heimsieg gegen Burghausen am 17. Spieltag reichte dann zur Herbstmeisterschaft. Es war das dritte Mal dass Alemannia Aachen ganz oben in der zweiten Liga überwintern konnte, und natürlich diskutierten die Fans schon vor dem Spiel gegen Burghausen darüber ob es überhaupt sinnvoll sei, Herbstmeister zu werden. Schließlich waren die ersten beiden Winter Meisterschaften nicht im Aufstieg geendet…

In der Rückrunde erwischte Aachen endlich mal einen positiven Auftakt, mit 3-1 wurde Erzgebirge Aue niedergerungen. Im eiskalten Karlsruhe ging dann auf knüppelhartem Boden die Serie von 8 Spielen ohne Niederlage zu Ende, ein überragender Christian Nicht rettete ein Spiel später einen knappen 1-0 Sieg gegen Unterhaching. Spielausfall in Saarbrücken, Unentschieden gegen Cottbus daheim und ein2-0 Sieg in Ahlen am Karnevalssonntag ließen den Vorsprung auf den 4. Platz trotz Nachholspiel auf 6 Punkte anwachsen. So langsam konnte man sich mit dem Aufstieg befassen! Dem 3-2 Sieg gegen Rostock folgte eine kuriose Spielabsage in Fürth, das Spiel wurde zwei Tage später Dienstags nachgeholt und endete 0-0, obwohl Christian Fiel und Erwin Koen zwei „Mega Chancen“ zum Sieg gegen den Angstgegner vergaben. Gegen Dresden wurden drei Punkte geholt und es folgten die entscheidenden Spiele zum Aufstieg.

Die Freitag Abend Partie auf dem Bieberer Berg gegen den OFC war eigentlich ein Spiel Ebbers gegen Sead Ramovic – der bei den TSV Fans noch bestens bekannte Schauspieler im Tor der Kickers. Fußball am Bieberer Berg ist ähnlich wie am Tivoli und deshalb entwickelte sich wohl in der zweiten Halbzeit ein fantastisches Spiel mit richtiger Gänsehautstimmung. In der ersten Halbzeit passierte wenig, ausser dass ein OFC Kicker schon relativ früh mit gelb rot in die Kabine musste und Ramovic gegen Marius Ebbers eine gelbe Karte provozierte! Kurz nach dem Wiederanpfiff war Marius zur Stelle und schickte Sead einen ersten Gruß ins Tor, der Jubel der Aachener Fans direkt hinter und neben dem OFC Keeper kannte keine Grenzen. Doch mitten in die Feierstimmung platzten die Offenbacher mit zwei Treffern und gingen 2-1 in Führung. Kaum waren die Gesichter auf Aachener Seite so richtig lang geworden, war Marius wieder zur Stelle und verlud Ramovic zum Ausgleich. Alemannia spielte jetzt souverän und drückte den OFC weit zurück und konnte sich auf Ebbers verlassen. Denn der setzte dem „Lieblingstorwart“ der Öcher Fans noch zwei Bälle ins Gehäuse und der TSV verließ als 4-2 Sieger den Bieberer Berg. Lange nach Spielschluß hallten noch die Gesänge „Nie mehr zweite Liga“ durch den Offenbacher Wald, bei den Öchern herrschte jetzt Partystimmung.

Nix für schwache Nerven auch der nächste Auftritt der Aachener Tormaschine ein paar Tage später im Nachholspiel bei den wieder erstarkten Saarbrückern im Ludwigspark. Das Spiel begann 15 Minuten später nach einem schweren Verkehrsunfall auf dem Anfahrtsweg zum Stadion. Schnell sorgte Marius Ebbers mit seinem 5. Tor in Folge für das 1-0, Jan Schlaudraff erzielte mit dem 2-0 eine beruhigende Führung. Als man auf Aachener Seite schon mit der 2-0 Pausenführung plante schlichen sich ein paar Unaufmerksamkeiten in das Spiel der Alemannen und schon kamen die Saarbrücker zum 2-2 innerhalb von 2 Minuten. In der zweiten Halbzeit entwickelte sich dann eine packende Partie mit hohem Tempo in der Alex Klitzpera („das wichtigste Tor der ganzen Saison“) das 3-2 markierte. Danach konterte der TSV die anrennenden Saarbrücker klassisch aus – hatte zwar Glück dass die beim Stand von 2-4 einen Elfmeter verschossen – gewann letztlich deutlich mit 5-2 und übernahm wieder die Tabellenführung. Bemerkenswert auch der Einsatz von Christian „Fielo“ Fiel als Trommler bei der anschließenden Feierhumba…

In 17 Spielen seit der Heimniederlage gegen den OFC hatte es nun 12 Siege, 4 Unentschieden und nur eine Niederlage gegeben, eine imponierende Serie mit 40 Punkten. Zwei weitere 1-0 Siege brachten Alemannia dann kurz vor Ostern zum ersten Mal in die Position den Aufstieg aus eigener Kraft auch rechnerisch sicher zu machen. Es kam bekanntlich besser: Am Donnerstag spielte der KSC nur Unentschieden und damit war klar: Sollte Greuther Fürth am Ostersonntag in Saarbrücken nicht gewinnen dann ist Alemannia aufgestiegen! Das Ende des Spiels habe ich wie viele andere und die halbe Mannschaft im Cafe Madrid erlebt, als der Schlusspfiff kam (und Saarbrücken 1-0 gewonnen hatte) war Alemannia nach 36 Jahren zurück in der Bundesliga! Aufstieg in einer Kneipe schrieb die FAZ danach – ich erspare mir die Schilderung der Feierlichkeiten in den nächsten beiden Tagen und merke nur noch an dass das Spiel gegen Bochum am Ostermontag mit 0-2 verloren ging (allerdings zeigte die „Katertruppe“ bemerkenswerten Einsatz), die damit zum zweiten mal am Tivoli den Aufstieg klarmachten. Der Stimmung tat das jedoch zunächst mal keinen Abbruch!

Irgendwie war aber mit diesem „Aufstieg“ in Aachen plötzlich alles anders. Schon im Vorfeld hatte es Veränderungen im Vorstand der Alemannia gegeben (Tim Hammer verließ das Gremium nachdem er sein neues Stadionprojekt in Merzbrück vorgestellt hatte) und jetzt machte das Wort „Ausgliederung“ plötzlich die Runde. Die Profifußballabteilung des Vereins sollte in eine Kapitalgesellschaft überführt werden um damit das Risiko für den Verein und die handelnden Personen zu reduzieren. Zugleich sollten die Weichen für ein neues Stadion an der Krefelderstraße gestellt werden, den potenziellen Bau hatte die Initiative „Pro Aachen“ des Alemanniafans Dirk Heinhuis erst möglich gemacht. Bei dieser Initiative kamen mehr als 10.000 Unterschriften für den Erhalt des Stadionstandortes Aachen zusammen. Niemand anders als der Oberbürgermeister Jürgen Linden nahm sich nun des Stadionneubaus an und – egal wie man zu dem Stadion nun steht – muss man sagen dass er beachtliches geleistet hat um das Stadion tatsächlich zu realisieren. (Ob das nun zum absoluten Wohl der Alemannia wird sei hier mal dahin gestellt)

Aber nicht nur die Veränderungen in der Alemannia Struktur ließen erstes Knirschen im Gebälk ertönen, auch die Tatsache dass Alemannia plötzlich mehr „en vogue“ war denn je ließ viel Gerangel um Kompetenzen und Repräsentationsmacht aufkommen. Nie war der Spruch „der Erfolg hat viele Väter“ so wahr wie in diesen Tagen – jeder wollte auf den Zug Alemannia aufspringen und dabei sein.

Fortsetzung am 11. Januar, 10:00 Uhr

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Die Alemannia-Doku, Teil 12

Teil 12: Alemannia 2000 – zwischen Wahnsinn und Genie von Axel Schaffrath

· 04/05 Zeit des Umbruchs und der UEFA Cup
· 04/05 Ligaalltag der Hinserie
· 04/05 UEFA CUP KÜR
· 04/05 Die Rückrunde war verhext und wurde eine einzige Enttäuschung

Zeit des Umbruchs und der UEFA Cup

Nach dem Pokalfinale gab es erst mal Urlaub und einiges aufzuarbeiten. Jörg Schmadtke ließ keinen Zweifel daran dass er ehrgeizigere Ziele gehabt hatte als zweimal ganz knapp den Kürzeren zu ziehen. Die Meldung, dass Alemannia Aachen und Jörg Berger ihre Zusammenarbeit nach zweieinhalb Jahren einvernehmlich beenden werden schlug doch ziemlich ein. Dieter Hecking wurde als neuer Trainer präsentiert, er kam vom Absteiger VfB Lübeck und er brachte gleich einen Spieler mit: Rainer Plaßhenrich. Diese beiden Namen wurden allerdings nicht auf Anhieb vom Unfeld als Volltreffer gehandelt und als verkündet wurde dass auch Kapitän Kalla Pflipsen den TSV verlassen muss erreichte die konträre Debatte erst einmal ihren Höhepunkt. Der Präsident (nein nicht Jürgen Linden) Horst Heinrichs meldete sich zu Wort und es gab ein klärendes Gespräch zwischen den Parteien, es änderte allerdings nichts an den Fakten. Ivo Grlic verließ den TSV Richtung Zebrastall und Erik van der Luer beendete seine Karriere. Als Neuzugänge wurden Simon Rolfes (Werder Bremen Amateure) Sergio Pinto von Schalke 04, Florian Bruns von Union Berlin, Rainer Plaßhenrich und Jens Scharping vom VfB Lübeck und Moses Sichone vom Erstligaabsteiger 1.FC Köln verpflichtet. Es stießen noch die „Axt“ Thomas Stehle und das Experiment Chris Iwelumo hinzu, dann war der Kader komplett.

Ligaalltag der Hinserie

Die neue Mannschaft spielte unter dem neuen Trainer einen ganz anderen Fußball, es gab schnelle, flüssige Kombinationen und traumhafte spielerische Elemente zu bestaunen, besonders das Duo Rolfes/Plaßhenrich machte auf sich aufmerksam. Der Kader war deutlich angewachsen gegenüber der letzte Saison, die generelle Qualität war gestiegen, schließlich galt es die Belastung Liga und UEFA Cup zu schultern. Um nicht zu verwirren möchte ich die Erinnerung an den UEFA Cup getrennt von der Hinserie verarbeiten.

Zum Start der Saison kamen zwei magere Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt und LR Ahlen (jeweils 1-1) heraus. Der KSC wurde mit 4-0 besiegt und dann ging es in der Woche erst mal nach Island zum UEFA Cup. Zurück von einem erfolgreichen und anstrengenden Trip stand schon Sonntags das Top Spiel gegen den Absteiger 1.FC Köln an, das wurde mehr als unglücklich trotz eines überragenden Kai Michalke mit 2-3 verloren (Siegtor wieder mal Marius Ebbers). Auch im Pokal schied der TSV diesmal früh aus, hatte man die erste Hürde in Essen noch relativ souverän mit 2-0 genommen, erwiesen sich die Amateure des FC Bayern als zu stark und besiegten Alemannia mit 2-1 (Beide Tore schoss Paulo Guerrero, in der Mannschaft spielten u.a. auch Piotr Trochowski und Andreas Ottl). Einem Unentschieden in Aue folgte ein glänzendes 5-1 gegen den Aufsteiger Dynamo Dresden. Das Warmlaufen zum ersten UEFA Cup Gruppenheimspiel gegen OSC Lille gelang mit einem überzeugenden 4-0 in Trier, es folgte ein 3-1 gegen Saarbrücken ehe die Siegesserie ausgerechnet bei Willi Landgraf’s Rekordspiel (480 Zweitligapartien) in Erfurt (0-1) riss. Willi löste den ehemaligen Alemannia Spieler Jo Montanes als Rekordspieler ab, der alle seine 479 Zweitligaspiele für den TSV bestritten hatte – sicherlich einmalig in der Fußballgeschichte!

Gegen die in der letzten Saison so überraschend starken und in dieser Runde ganz schwachen Oberhausener gab es ein 2-1 bei dem sich Erik Meijer eine höchst überflüssige gelb rote Karte einhandelte und damit bei der Stadioneinweihung in Duisburg fehlen musste. In Duisburg gab es für die Alemannia wie immer wenig zu holen und man verließ den neuen Rasen mit einer 0-1 Niederlage, bei der auch Rainer Plaßhenrich die gelb/rote Karte sah. Es folgte ein mageres Unentschieden gegen RW Essen (1-1) daheim und ein überraschender Sieg bei Energie Cottbus (2-1, das Ende von Ede Geyer als Energie Trainer) gefolgt von einer Gala gegen den Bundesligaabsteiger 1860 München (5-1) und einem weiteren Heimspiel in dem Burghause niedergerungen wurde. Das letzte Liga Spiel des Jahres 2004 in Fürth war ein hart umkämpftes, eisig kaltes und es ging mit 2-3 etwas unglücklich verloren, Alemannia beendete die Hinserie aber auf Platz 4 nach teilweise beeindruckenden spielerischen Leistungen!

UEFA CUP KÜR

Für die Alemannia Fans gab es ein völlig neues Prioritätsgefühl: Augenmerk auf die schweizer Stadt Nyon am Genfer See unweit der französischen Grenze. Dort fand nämlich die Auslosung zur ersten Runde im UEFA Cup statt und man konnte es kaum erwarten auf wen Alemannia Aachen in der ersten Runde treffen würde. Die Statuten und Setzlisten mussten erst mal studiert werden, dann konnte über potenzielle Gegner spekuliert und fachgesimpelt werden. FH Hafnanarfjödur hieß der zungenbrecherische Gegner und das erste Spiel sollte an einem Donnerstag (16.09.2004) in Reykjavik (Island) stattfinden. In einer ersten Einschätzung waren sich viele Fans einig: unbequem aber machbar, ziemlich weit weg und ganz unbekanntes Territorium. Hektische Betriebsamkeit und elementarische Fragen bestimmten die Folgezeit. (Kann man es sich leisten den nach 104 Jahren Existenz ersten Auftritt auf europäischer Bühne zu verpassen? Ist es finanziell überhaupt machbar „mal eben“ nach Island für ein Fußballspiel zu reisen?) Nun es war möglich, nicht so wie der Großteil der Aachener Fans per Charterflieger, aber es funktionierte. Ich war dabay! Allein der Flug von Frankfurt nach Island war schon eine Aufregung, gab es doch im Warteraum erste Gelegenheit sich mit ein paar anderen „Versprengten“ über das kommende Spiel zu unterhalten. Skepsis überwiegte, alle waren sich einig dass zumindest ein Tor geschossen werden sollte, da „Auswärtstore“ auf europäischer Ebene ja wertvoll waren! Was wussten wir schon von den Qualitäten dieser Alemannia Mannschaft – vor allem im UEFA Cup. Vom Hotel aus war schon an der Bar die Stimmung der mit dem Charterflieger gekommenen Fans wahrzunehmen (Hurra Hurra …) die sich im Stadion „warm“ sangen, mit den ersten Bierchen kam dann schnell „Europapokalstimmung“ auf.

Das Spiel hatte kaum begonnen da netzte ein wie aufgedreht spielender Kai Michalke zum 1-0 ein. Eine Minute später traf er auch in der 14. zum 2-0 und alle vorsichtigen und optimistischen Prognosen wurden über den Haufen geworfen. Die Stimmung war erstklassig und Erik Meijer erzielte noch das 3-0 kurz vor der Pause. Nach der Pause verflachte das Spiel ein wenig, die Atmosphäre unter den mitgereisten Fans war allerdings prächtig. Ganz kurz kamen nach dem 1-3 Anschusstreffer Zweifel auf, aber die beseitigte Alex „Klitze“ Klitzpera mit dem postwendenden 4-1 (O-Ton Alex: „Ganz wichtig!“). Rainer Plaßhenrich stellte dann mit dem Schlusspfiff den 5-1 Endstand her und Alemannia hatte ein glänzendes Debüt auf europäischer Ebene gefeiert, viel besser noch: die Zwischenrunde war so gut wie erreicht! (Dass das Rückspiel in Köln 0-0 endete und eher Höhepunktarm war juckte niemanden so richtig)

Also wieder Augenmerk nach Nyon: die Auslosung der Zwischenrunde im UEFA Cup stand an: OSC Lille, FC Sevilla, Zenit St. Petersburg und AEK Athen hießen die Gruppengegner in der Gruppe H. Heute würden diese Teams absoluten Respekt verlangen (Alle haben Championsleague gespielt, Zenit sogar den UEFA Cup gewonnen) und ein sofortiges Kapitulieren zur Folge haben, aber „damals“ war alles anders:
Mit ein bisschen Glück sollte der dritte Tabellenplatz und das Weiterkommen drin sein war die optimistische Einschätzung. Beide Heimspiele gewinnen und auswärts dann mal schauen…

Schon das erste Spiel gegen Lille war richtungsweisend, gegen überraschend passive Franzosen gewann der „Underdog“ Alemannia durch ein Tor von Erik Meijer mehr als verdient mit 1-0 und vergab dabei noch einige gute Chancen zu einem deutlicheren Sieg.

Die zweite Aufgabe hatte es in sich: Der TSV musste zum FC Sevilla reisen, der Top Favorit in dieser Gruppe. In diesem Team verdiente ein einzelner Spieler mehr als die ganze Aachener Mannschaft. Das Spiel ging zwar wie erwartet mit 0-2 verloren, es war aber denkbar knapp, der TSV verkaufte sich teuer und es gab Lob von allen Seiten. (Lieder habe ich dieses Spiel komplett verpasst, da ich zu dem Zeitpunkt in den USA auf eine Messe war, wurde aber bestens von mitgereisten und daheimgebliebenen Fans auf dem Laufenden gehalten)

Nach dem Sevilla Auftritt hatte Alemannia „Pause“ und konnte die Ergebnisse der anderen Teams abwarten. Für den nächsten Gegner Zenit St. Petersburg ging es in Aachen (Verzeihung: Köln) schon ums Weiterkommen, die Russen, mit Nationalspielern gespickt konnten mit einem Sieg die nächste Runde buchen. Das Spiel war ein echter „Knaller“: Die Russen agierten erstaunlich defensiv und passiv und Alemannia war zunächst hoch überlegen und ging durch Erik Meijer mit 1-0 in Führung, das war zu diesem Zeitpunkt ganz schmeichelhaft für den russischen Meisterschaftsfavoriten, vergaben die Aachener doch einige tolle Chancen. Zwei unglückliche Aktionen ließen den TSV dann in Rückstand geraten, erst ein Konter vor der Pause dann Mitte der zweiten Hälfte ein Elfmeter. Zwischendrin immer wieder das gleiche Bild: Aachen stürmte und spielte sich beste Chancen heraus, scheiterte aber immer knapp. Als sich fast alle im Stadion mit dem möglichen Ausscheiden befassten kam dann in der letzten Minute per Elfmeter doch noch der vielumjubelte 2-2 Ausgleich durch Stefan Blank per Elfmeter. Die Tabellensituation war nun klar: Ein Sieg beim punktlosen Schlusslicht AEK im Olympiastadion zu Athen bedeutete das Weiterkommen, (vielleicht sogar Platz 2) Unentschieden oder Niederlage das Ausscheiden!

Im Olympiastadion hatten sich nur etwa 5.000 Fußballfans eingefunden um das für die Alemannia so bedeutungsvolle, für AEK Athen völlig unwichtige Spiel zu verfolgen. Die etwa 800 Öcher wurden in dieser historischen Stätte (nur drei Monate zuvor war das Stadion noch ausverkaufter Höhepunkt der olympischen Spiele gewesen) in einen Block auf dem Oberrang „verfrachtet“! Das Spiel plätscherte so dahin, die Nervosität der Aachener Spieler war greifbar. Allerdings hielt sich AEK bis auf wenige Aktionen (in denen dann Straub glänzend hielt) vornehm zurück und so ging es ohne echte Höhepunkte mit einem 0-0 und allen Chancen in die Pause. Nach der Pause war dann Mister Europacup Erik Meijer zum richtige Zeitpunkt am richtigen Ort, einen vom Innenpfosten abprallenden Schuss von Rainer Plaßhenrich drückte er zur etwas schmeichelhaften 1-0 Führung ins Netz. Aachen war weiterhin eher defensiv orientiert und versuchte zu kontern, Athen spielte nur noch um die Ehre etwas mit. Die Entscheidung fiel kurz vor Ende des Spiels bei einem Konter über Stefan Blank, dessen präzise Hereingabe hämmerte Daniel Gomes aus vollem Lauf ins linke untere Eck und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Wie vom Trainer Dieter Hecking angekündigt verwandelten die mitgereisten Fans die Athener Innenstadt in eine Öcher Party Zone, später gesellte sich die Mannschaft zu den feiernden Fans. Nicht wenige (so wie ich auch) kamen in dieser Nacht ohne Hotelzimmer aus, einzige Schwierigkeit war das zurückkommen zum Flughafen, da an diesem Tag die Taxifahrer in Athen streikten… (und nicht wenige waren von den strikten Kontrollen in der Athener U-Bahn überrascht und wurden mit Extratickets belohnt…)

Während ich im Flieger nach Hause schlief wurde in Nyon der AZ Alkmaar als Gegner aus dem Lostopf gezogen – die ganz große Euphorie kam nicht auf, da es ja auch ein Gegner wie Newcastle United hätte sein können. Beim näheren Betrachten wurde das Los als schwierig aber machbar analysiert, es winkte immerhin ein Duell mit Schalke 04 beim Überstehen der Runde. Die letzte Meldung kam aus der Finanzabteilung, Alemannia konnte durch die üppigen Einnahmen im Pokal und UEFA Cup vorzeitig alle Schulden tilgen und hatte sogar Liquidität für „Wintereinkäufe“ geschaffen. Jörg Schmadtke griff sofort zu und kaufte Laurentiu Aurelian Reghecampf vom Ligakonkurrenten Energie Cottbus, aus dem Bauernland kam mit Jan Schlaudraff ein junger vielversprechender Stürmer. Die neue Finanzkraft der Alemannia bekam allerdings postwendend ihre Grenzen aufgezeigt, Stefan Blank verließ den Verein um beim Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern einen deutlich höher dotierten Vertrag zu unterzeichnen – die Entscheidung aus Aachen wegzugehen fiel dem guten Stefan extrem schwer und er sollte in der Rückrunde schmerzlich vermisst werden!

Die Rückrunde war verhext und wurde eine einzige Enttäuschung

Was in der Hinserie so gut lief ging in der Rückrunde komplett daneben. Das spielerische Element war abhanden gekommen, der Neuzugang Reghecampf tat sich sehr schwer Bindung zum Spiel zu finden und der typische Alemannia Rückrunden Blues stellte sich schnell ein. Der Auftakt in Frankfurt war eine total unnötige 0-1 Niederlage, es folgte eine deprimierende 0-2 Pleite zu Hause gegen Ahlen (und Alex Klitzpera sah auch noch rot). Der Abwärtstrend wurde zwar in Karlsruhe vorübergehend gestoppt (1-0), gleich im Heimspiel gegen Unterhaching gab es aber wieder eine Last Minute Niederlage (2-3). Die Zeichen für einen UEFA Cup erfolg gegen Alkmaar standen nicht gut.

Im UEFA Cup ist alles ganz anders, so die Hoffnung der Aachener Fans. Über 38.000 Zuschauer sorgen für eine Heimspiel Rekordkulisse im Rhein Energie Stadion in Köln, aber dieser Gegner war ein hartes Kaliber! AZ spielte taktisch geschickt und machte die Räume eng, nur selten kam Alemannia gefährlich vor das Tor der Niederländer. Allerdings stand auch die Abwehr ziemlich sicher und so endete das Spiel 0-0, wenigstens kein Gegentor lautete das Fazit und „ein Tor in Alkmaar schießen“, dann ist alles möglich!

Nur ein paar Tage später trat Alemannia wieder in Köln an, diesmal hieß der Gegner allerdings FC und es ist war Auswärtsspiel. Eigentlich hatte Alemannia das Spiel im Griff und die besseren Chancen, aber irgendwie war die Seuche drin. Der Ball wollte nicht ins Netz und dann kam der erste Unglücks Auftritt der „Axt“, nach einem völlig überflüssigen Foul sah er gelb rot und Alemannia war in Unterzahl. Selbstverständlich wurde Alemannia noch ein reguläres Tor durch Gomez aberkannt bevor dann mit einer der letzten Aktionen Podolski einen Schuß zur Eckfahne abgab, der allerdings wurde von einem zufällig im Weg stehenden Mitspieler unhaltbar ins Tor abgefälscht und Alemannia kassierte die zweite unnötige und unverdiente Niederlage gegen die Böcke in dieser Saison.

Das Rückspiel in Alkmaar war dann ein absolutes Synonym für die ganze Rückrunde: Aachen selbstbewusst und forsch, die Fans laut und präsent, eigentlich schien alles für Aachen zu laufen nur um Ende am Boden zerstört zu sein. Erik Meijer brachte Alemannia nach einem Eckball per Kopf in Führung und so ging es auch mit einer verdienten Führung in die Pause. Nach der Pause das gleiche Bild, Aachen besser im Spiel und mit zwingenderen Chancen. Die größte davon besaß Simon Rolfes, der mit einer 100%igen unglücklich am holländischen Torwart scheiterte, „das wäre es gewesen“ da waren wir uns alle sicher. Mit dieser ausgelassen Chance drehte sich das Spiel in wenigen Minuten, Rolfes – wohl noch unter Schock – verpasste eine Flanke und ein hinter im stehender Holländer markierte das 1-1. Kurz danach folg die Axt mit seiner zweiten gelb roten Karte innerhalb von 4 Tagen vom Platz und Aachen war nur noch zu 10. Es kam was kommen musste, Alkmaar machte das 2-1 und Alemannia war raus aus dem UEFA Cup. Zwar feierten die meisten Fans noch lange nach dem Spiel ihre Mannschaft, aber die waren am Boden zerstört und sich den Tränen nicht zu schade.

Die Niederlage gegen Alkmaar war ein echter Killer, das folgende Heimspiel sah die Alemannen mit schweren Beinen und hängenden Köpfen über den Platz schleichen und es gab eine konsequente 1-5 Pleite gegen Aue. Dann setzte es auch in Dresden eine Niederlage und Alemannia hatte eine handfeste Krise zu verzeichnen. Weg die Euphorie, weg die Spielkunst und das Selbstvertrauen, der Abstand auf die Aufstiegsränge war groß geworden. Mit dem 2-0 gegen Trier daheim konnte der Abwärtstrend gestoppt werden, einem 2-1 in Saarbrücken folgte ein überzeugendes 5-1 daheim gegen RW Erfurt. Geht da noch was? Ausgerechnet gegen den „alten Bekannten“ Eugen Hach produzierte Alemannia in Oberhausen ein schlappes 0-0 und als die Zebras im Montagsspiel ein 0-0 erkämpften war es ziemlich sicher dass Alemannia ein weiters Jahr in der zweiten Liga verbringen würde. Nach zwei Siegen gegen Essen und Cottbus folgte dann eine 0-3 Pleite gegen 1860 München und der Aufstieg war futsch! Am Ende sprang nach 25 Punkten in der Rückrunde der 6. Platz raus und Jörg Schmadtke gab sich kämpferisch: In der nächsten Saison muss es klappen mit dem Aufstieg und er erklärte seine Alemannia kurzerhand zum Aufstiegsfavoriten der nächsten Saison!

Fortsetzung am 10. Januar, 10:00 Uhr

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