Thema Investor

Die Mitglieder des TSV Alemannia Aachen stehen demnächst vor der wohl wichtigsten Entscheidung in der Geschichte ihres Vereins: Sie sollen für den Verkauf eines Großteils der Anteile, ihrer Anteile, an der Alemannia Aachen GmbH votieren. Sie sollen zustimmen, das Herzstück ihres Clubs an einen vereinsfremden weitgehend nur den eignen kommerziellen Interessen folgenden Investor abzugeben. Sie sollen zustimmen, dem Gesamtverein für immer jegliche Mitsprache bezüglich seines prägenden Teils abzuerkennen. Sie sollen dies sie tun, ohne die Chance zu haben, diese Entscheidung jemals wieder rückgängig machen zu können.

Und all das nur zwei kurze Jahre, nachdem die heutigen Entscheider im Brustton ihre Wahl als gesamtes Team als unabdingbar durchgesetzt haben. Mit dem Versprechen, die Alemannia im Sinne ihrer Mitglieder zu führen: mit größtmöglicher Transparenz, mit der Verpflichtung zu einem kontinuierlichen Wiederaufbau und nicht zuletzt auch mit dem Blick auf den Gesamtverein.

Entgegen dieser Beteuerungen, der Tragweite dieser Entscheidung zum Trotz und die inzwischen immer lauter werdende öffentliche Diskussion ignorierend, haben die Verantwortlichen noch keine schlüssigen Antworten auf die drängendsten Fragen gegeben. Den Mitgliedern des Vereins, den eigentlichen Eigentümern der Alemannia Aachen GmbH also, werden konsequent alle wichtigen Informationen vorenthalten. Statt dessen hört die Öffentlichkeit sich ständig widersprechende Äußerungen von Entscheidungsträgern in Verein beziehungsweise GmbH. Frühere Positionen und Versprechungen werden ohne Erklärung kassiert. Man bedient sich längst überwunden geglaubter Handlungsmuster, indem einzelne Gremienvertreter der Alemannia-Familie erpresserisch suggerieren, sie hätten keine andere Wahl als dem einzigen Weg zu folgen, den die Verantwortlichen aufzuzeigen bereit sind.

Der Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fan-Clubs e.V, (Fan-IG), legt deshalb dem Präsidium des TSV Alemannia Aachen sowie dem Aufsichtsrat der Alemannia Aachen GmbH seine Grundposition im Hinblick auf den vom Aufsichtsrat angestrebten Verkauf von Anteilen der GmbH an einen Investor dar:

  1. Der Vorstand der Fan-IG empfiehlt den Alemannia-Mitgliedern, keiner Vereinbarung zuzustimmen, die einen Verkauf von mehr als 24,9% der Anteile an der GmbH vorsieht. Eine weitgehende oder gar die vollständige Entscheidungsgewalt über die Geschicke des für den Gesamtverein immer noch bedeutsamsten und identitätsstiftenden Bereiches darf nicht auf Vereinsfremde übertragen werden. Im Übrigen hatte selbst Aufsichtsratschef Dr. Christian Steinborn diese Höchstgrenze noch am 3. Dezember 2015 öffentlich festgelegt. Betrachtet man den Verlauf der Ereignisse, muss man zu dem Schluss kommen, dass diese Grenze niemals relevant war.
  1. Die Identität der Alemannia, symbolisiert durch Name, Vereinsfarben und Wappen, muss unangetastet bleiben.
  1. Sollte bereits bei der anstehenden Jahreshauptversammlung am 29. Juni 2016 der Verkauf von Anteilen zur Abstimmung gebracht werden, muss die entsprechende Vertragsgestaltung spätestens mit dem Versand der Einladung zur JHV vollständig offen gelegt werden. Nur dann haben die Mitglieder zumindest eine Restchance, die Tragweite der Entscheidung beurteilen zu können. Sollte dies nicht geschehen, empfiehlt der Vorstand der Fan-IG den Mitgliedern, jeglichen Verkauf von Anteilen abzulehnen. Selbst, wenn dieser 24,9% oder weniger betreffen sollte.
  1. Zudem muss der potentielle Investor den Mitgliedern im Vorfeld der JHV sowohl seine langfristige Strategie als auch seine mittelfristigen Pläne für den sportlichen und kaufmännischen Bereich der GmbH vorstellen.
  1. Die Regie der JHV muss eine ausführliche Debatte über diese Entscheidung zulassen, ohne Zeitbegrenzung und mit einem umfassenden Rederecht für jedes interessierte Mitglied.
  1. Das Präsidiums des Vereins und der Aufsichtsrat der Alemannia Aachen GmbH werden aufgefordert, alternative tragfähige Planungsszenarien zu dem Einstieg eines Investors vorzustellen. Die Fokussierung auf einen ausschließlichen Weg ist nicht das, was man von einer kompetenten und verantwortungsvoll agierenden Unternehmensführung erwarten darf. Und es ist auch nicht die Aufgabe der Mitgliedschaft einen alternativen Weg zu weisen.
  1. Der Mitgliedschaft sollen bereits im Vorfeld detaillierte Kennzahlen (Bilanz, aktuelle BWA) der Alemannia Aachen GmbH vorgelegt werden. Diese Zahlen müssen so aussagekräftig sein, dass sie die Mitglieder in die Lage versetzen, die wirtschaftliche Verfassung des Unternehmens nachvollziehen zu können.
  1. Der Vorstand der Fan-IG erwartet in diesem Zusammenhang aussagekräftige Antworten auf folgende drängende Fragen:
  • Auf welche konkreten Einzelpositionen verteilt sich der aktuelle Gesamtetat der Alemannia Aachen GmbH? Warum können nicht 50% des Gesamtetats in die erste Mannschaft fließen?
  • Warum reicht der Gesamtetat nicht aus, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen?
  • Warum erwirtschaftet die Alemannia Aachen GmbH trotz der guten Rahmenbedingungen (Zuschauerschnitt, verkaufte Logen, Sponsorenpool) weiterhin ein signifikantes Defizit?
  • Mit welchen möglichen Investoren steht die Alemannia in konkreten Verhandlungen?
  • Was lässt die Verantwortlichen der Alemannia glauben, dass die interessierten Investoren vor allem das Wohl und Wehe der Alemannia im Blick haben?
  • Würde die von einem Investor gezahlte Kaufpreis ausschließlich in die erste Mannschaft investiert werden?
  • Der Verkäufer der Anteile wäre der Verein. Also würde dem auch der Erlös aus dem Verkauf zustehen. Wie würden die Gelder von dort wieder in die GmbH fließen?

 

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