Max Salomon Weg eingeweiht

Anlässlich der Einweihung des Max Salomon Weg am neuen Tivoli hielt der Fan-IG Beauftragte Thomas Wenge eine kurze Rede, deren Wortlaut wir im Folgenden hier veröffentlichen:

Max Salomon – Held oder Opfer?

Unseren Tivoli als Heimat der Alemannia gibt es seit 1928. Hier wurden Siege und Niederlagen, Aufstiege und Helden erlebt und gefeiert. Aber keinem dieser Helden wurde je die Ehre zuteil, dass ein Weg rund um den Tivoli seinen Namen trägt. Zu groß ist die Befürchtung, einmal einen Anfang gemacht zu haben und danach in einer quasi logischen Folge „Heldengedenkstätten“ errichten zu müssen, der Aktualität wegen oder um einem Tivolihelden seinen Platz dort zukommen zu lassen. Zu groß ist die Angst, Heldenverehrung als bloße Hülle zu betreiben; Namen als grau gewordene Denkmäler, deren Gedenken längst eingeschlafen ist.

Max Salomon war ein Held! Er war ein Held der Zeit um 1930 – ein vergessener Held. Aber er war eben auch Opfer. Opfer der Shoa; Opfer von Ausgrenzung, von Terror und Mord. Opfer eines Systems, das so tun wollte, als habe es nie Juden in Deutschland gegeben. 2017 war Max Salomon vergessen.

Wir haben in der Ausstellung „Alemannia 1933-45. Fußball zwischen Sport und Politik“ Max Salomon aus dem Vergessen zurückgeholt. Wir haben ihm am 6. Februar einen Stolperstein gelegt, wie jedem Opfer dieser Zeit und haben ihn nach Hause, in die Thomashofstraße geholt. Heute holen wir Max Salomon zurück zum Tivoli.

Max Salomon steht für die Opfer von Terror und Diktatur ebenso beispielhaft wie für die Funktion des Sports in der Gesellschaft: Sport als Vorreiter, hier einer Führerideologie, die früh den Verein übernahm, dort einer Rassenlehre, die früh die Juden und damit Max Salomon ausgrenzte. Wie kein anderes Ereignis stehen die Olympischen Spiele von 1936, an der „Held“ Reinhold Münzenberg teilnahm, für den Missbrauch des Sports durch die Nationalsozialisten und für den Missbrauch des Sports für Diktatur und falsche Politik.

Wenn wir heute ein Viertel des Tivoli-Umlaufs einem Spieler widmen, obwohl doch genau das gar nicht sein sollte, dann widmen wir ihn nicht nur dem Menschen Max Salomon. Wir widmen ihn allen Opfern von Gewalt und Unterdrückung im Sport. Wir widmen ihn im Gedenken daran, dass sich weder Sport, noch die Alemannia, weder Spieler, noch Funktionär, weder Mensch, noch Institution diesem Missbrauch der Alemannia entgegenstellen konnte oder wollte.

Wir widmen ein Viertel des Umlaufs Max Salomon in dem Bewusstsein, dass drei Viertel des Umlaufs heute unbenannt bleiben und für alle Zeiten unbenannt bleiben sollen. Das Schicksal Max Salomons lässt nicht zu, einem anderen „Helden“ dieselbe „Ehre“ zuteil werden zu lassen. So einzigartig dieser Teil der Geschichte mit millionenfachem Mord und Terror war, so einzig muss diese Kurve, dieser Weg bleiben.

Denn das ist unser Gedenken an die Vergangenheit: Ein Viertel der Alemanniageschichte ist braun beschmutzt und für immer verunreinigt.

Das ist unser Handeln in der Gegenwart: Der dem ewigen Untergang und Vergessen geweihte kehrt an den Tivoli zurück.

Und das ist unser Versprechen für die Zukunft: Das darf, das soll, das wird nie wieder passieren!

Max Salomon, das ist unser Versprechen an Dich! Willkommen zurück am Tivoli!


 

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