Michael Krüger und der TSV – das könnte passen…

Volles (Fan-)Haus – der „Neue“ ist da! Genauer gesagt: 56 Hobbytrainer und ein Profi, Michael Krüger, 55 Jahre alt, Cheftrainer der Schwarz-Gelben seit wenigen Tagen, sitzen gespannt auf ihren Stühlen.

Seit wenigen Tagen im Amt und der Mann hat nichts Besseres zu tun, als am Abend vor dem Spiel gegen Cottbus schon bei den Fans aufzuschlagen? „Das ist für mich ganz wichtig, Fußball spielt man für die Fans, davon bin ich überzeugt. Und deshalb komme ich sehr gerne schon heute zu euch…“

Zuerst „bestellt“ er sich „…ein halbes Brötchen und eine Cola, ich hab´ noch nichts gegessen…“, dann beginnen 100 aufschlussreiche Minuten.

Ruhig erzählt er, in der Sache stets durchdacht und nachvollziehbar, durchaus spannend und mit einem guten Schuss Wortwitz. Was Michael Krüger scheinbar vollkommen fehlt, das ist Aufgesetztheit, authentisch kommt er rüber, klar sind seine Aussagen, verständlich, ungestelzt. Die anwesenden Fans, anfangs noch zurückhaltend, aber rasch auftauend, merken: Hier redet einer, der offensichtlich passt!

Ohne Frau in den Sudan

Krüger erzählt von seiner Zeit im Sudan, von seiner Arbeit in diesem Land unter schwierigsten Bedingungen, aber auch aus seiner Braunschweiger Zeit, seinem herzlichen Verhältnis zu den Fans dort. „Das war `Liebe auf den zweiten Blick, als ehemaliger Hannoveraner Spieler kannst du unmöglich Trainer in Braunschweig sein…“.

Ruhig und sachlich-kompetent einerseits, humorvoll aber an den passenden Stellen, verhilft er den Anwesenden rasch zu der Erkenntnis:“ Das sind Töne, Inhalte und Ziele, die wir in Aachen seit Jahren nicht mehr hörten…“

Jede Frage beantwortet M. Krüger: Ja, er habe bereits mit P. Milchraum gesprochen. Ja, die Amateure habe er schon besucht, bald seien auch die B- und A-Jugend „dran“. Klar, wenn da ein Kracher dabei sei, dann spiele dieser auch bei ihm in der Ersten. Ja, auch wenn der erst 17 sei. Nein, über Defizite rede er nicht öffentlich, das regle er intern. Klar verliere man noch zu viele Bälle ohne Not. Logo wolle er das abstellen…

Nemeth-Tore

Mit Willi Kronhardt sei er vor ein paar Tagen mal ein Bier trinken gegangen, mehr habe er noch nicht von Aachen gesehen, Nemeth sei ein genialer Techniker und nun warte er, dass „…Willi mir mal das You-tube-Video von Szilard auf CD brennt..“ – und grinst dabei wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd.

Vor allem anderen wolle er in der ersten Zeit teamintern kommunizieren, viele Gespräche habe er schon geführt. Natürlich, auch die Standards werde er in Richtung auf mehr Effizienz hin anpacken. „Da haben wir schon was geübt und abgesprochen, vielleicht passt das ja schon gegen Cottbus – falls wir dann überhaupt ne Ecke bekommen…“ – Und wieder dieses breite Lächeln.

Ein Kernsatz des Abends fällt dann: „Nach hinten gut stehen – und nach vorne gut denken!“

Und, „Ja, so kann man das ausdrücken, das ist eine gute Zusammenfassung!“, mein Michael Krüger, als Dirk ihn fragt: “Verstehe ich Sie richtig: Ihre Philosophie heißt, ein Spieler kann einen Ball bei der Annahme verlieren, dann bin ich nicht böse. Aber wenn er dann nicht versucht, ihn wieder zurück zu erobern, dann bin ich sauer…?“

Dieser Trainer scheint zu passen.

Und nicht nur mit dem, was er sagt, vor allem auch die Art, wie er es sagt.

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