Zeit für eine Neuausrichtung

Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs e.V. mahnt nachhaltige Veränderungen der Strukturen an

Der Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs e.V. (Fan-IG) begrüßt das Votum der Stadt Aachen, die Alemannia mit einer Bürgschaft zu unterstützen. Gleichwohl beurteilt die IG die aktuellen Geschehnisse rund um den Verein kritisch.

Verfilzungen als Grund für die Misere

Um die Alemannia langfristig wieder auf soliden Grund zu stellen, bedarf es einer grundlegenden Neuausrichtung sowie einer umgehenden Veränderung der Strukturen, Abläufe und Entscheidungswege innerhalb der Alemannia Aachen GmbH und der Stadion GmbH. Denn es wird immer deutlicher, dass ein entscheidender Grund für die aktuelle Misere die unsäglichen Verfilzungen unterschiedlicher Interessen waren.

Explizit müssen hier Dr. Jürgen Linden und Hans-Peter Appel genannt werden. Dr. Jürgen Linden repräsentierte zu Zeiten des Stadionbaus als amtierender Oberbürgermeister den Baulandinhaber und war als Aufsichtsratsvorsitzender der Alemannia Aachen GmbH gleichzeitig oberster Vertreter des Baulandnutzers. Hans-Peter Appel fungierte zeitgleich als Aufsichtsrat der Alemannia Aachen GmbH und als Vorstandsvorsitzender ausgerechnet jener städtischen Gesellschaft, die für das umstrittene Parkhausprojekt mitverantwortlich zeichnete. Zudem mussten auch die Aufsichtsräte Franz-Wilhelm Hilgers und Carlo Soiron Interessenkonflikte fürchten, waren sie doch nicht nur der Alemannia verantwortlich, sondern als Vorstandschef beziehungsweise Aufsichtsratsvorsitzender auch der Hausbank des Vereins. Es ist augenfällig, dass die Interessenskonflikte sowohl im Falle des Baugrundstückes als auch beim Parkhausbau der Alemannia zum Nachteil gereichten. In diesem Netz unheilvoller Verstrickungen war Geschäftsführer Frithjof Kraemer das schwächste Element in einem Netz.

Eine derartige Verquickung von Interessen darf künftig nicht mehr zugelassen werden. Zu leicht führt sie auch bei den honorigsten Personen zu Gewissenskonflikten. Der Aufsichtsrat der Alemannia Aachen GmbH hat ausschließlich den Interessen des Vereins und seiner Mitglieder zu dienen. Deshalb ist es unabdingbar, dass dieses Gremium von unabhängigen kompetenten Persönlichkeiten besetzt wird, die sich einzig der Tradition und den Werten des Vereins verpflichtet fühlen.

Fanvertreter fordern Verzicht auf erneute Kandidatur von Dr. Jürgen Linden bei den kommenden Aufsichtsratswahlen

Vor diesem Hintergrund fordert der Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs den Verzicht auf eine erneute Kandidatur des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Alemannia Aachen GmbH, Dr. Jürgen Linden, bei den kommenden Aufsichtsratswahlen. Ebenso erwartet die IG von Hans-Peter Appel, Franz-Wilhelm Hilgers und Carlo Soiron den Verzicht auf eine erneute Kandidatur für dieses Gremium. Aus Gründen der politischen Hygiene wird zudem Dr. Christian Becker aufgrund seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied der städtischen Stawag der Rückzug vom Posten des Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Stadion GmbH empfohlen.

Verdrehung der Tatsachen

Nicht zuletzt nach den Äußerungen Dr. Jürgen Lindens im Rahmens seines Interviews mit der Aachener Zeitung vom 23. April 2010 ist die Fan-IG davon überzeugt, dass ein glaubwürdiger Neuanfang mit diesen Personen nicht zu realisieren ist. Es wird deutlich, dass die grundlegenden Probleme und Ursachen nicht erkannt oder aber ignoriert werden. Als besonders provokant muss die These Dr. Jürgen Lindens bewertet werden, dass die Wahl von Mitgliedervertretern in den Aufsichtsrat zu der von vielen Seiten kritisierten Aufstockung des Gremiums geführt habe. Dies ist eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit. Denn Dr. Jürgen Linden selbst war es, der im Mai 2008 auf die Vergrößerung des Gremiums um zwei weitere Personen gedrängt hatte, nachdem die Aufnahme von Mitgliedervertretern in die Gremien beschlossen worden war. Diesen Missstand jetzt den „organisierten Fans“ zuzuschreiben ist eine Verdrehung der Tatsachen und ein Affront gegen die Mitgliederschaft als Souverän des Vereins.

Interview Jürgen Linden

Zu dem von Dr. Jürgen Linden in der Aachener Zeitung gedruckten Interview vom 23. April 2010 nehmen wir in diesem Zusammenhang wie folgt Stellung:

Frage: Sehen Sie Anlass für Konsequenzen – zum Beispiel in den Gremien?

Zitat:
Linden: Wir stecken in einer Debatte, dass die organisierten Fans mehr Mitsprache in den Gremien erhalten…

Wir stecken nicht in einer Debatte um „mehr Mitsprache“ für organisierte Fans. Seit einigen Monaten führt die IG Gespräche mit Vertretern des Vereinspräsidiums u.a. mit dem Ziel, die Rechte der Mitglieder weiter zu stärken und in der Vereinssatzung zu verankern. Die Mitgliederversammlung hat auf der Jahreshauptversammlung im Juni 2008 beschlossen, dass „jedes Mitglied Kandidaten zur Wahl in Gremien“ vorschlagen kann. Nicht „organisierte Fans“, sondern Mitglieder des TSV haben dieses Recht.

Zitat:
Linden: … Deswegen sind Aufsichts- und Verwaltungsrat um jeweils zwei auf elf Sitze erhöht worden….

Die Erhöhung der Zahl der zu wählenden Mitglieder des Aufsichtsrates der Alemannia GmbH ist von Dr. Linden persönlich in einem abschließenden Gespräch zur Satzungsarbeit gegenüber den IG-Vorstandsmitgliedern Offergeld und Heinhuis in seinem Dienstzimmer im Rathaus im Mai 2008 vorgeschlagen worden. Es war ausdrücklich nicht der Wunsch der Vertreter der IG, in der Satzungskommission die Anzahl der AR-Sitze zu erhöhen.

Die Zahl der Mitglieder des Verwaltungsrates war bis zum Beschluss bei der Neufassung in der Satzung mit „ 7 bis 11“ angegeben.

Lediglich die Präzisierung auf exakt „11“ Mitglieder ist seit der Satzungsänderung 2008 geltendes Recht.

Räte verkleinern

Nach wie vor hält der Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs an der Verkleinerung des Aufsichtsrates der Alemannia Aachen GmbH auf sieben Mitglieder fest. Von denen sollen wie bisher drei aus dem Vorstand des TSV Alemannia Aachen, der Haupteigentümerin der GmbH, entsandt werden. Die übrigen Kandidaten sollten in Zukunft ausschließlich aus der Mitgliederschaft heraus vorgeschlagen und vom Verwaltungsrat einer satzungsmäßigen Prüfung unterzogen werden. Folgerichtig muss einer der drei Vorstandsvertreter den Vorsitz des Kontrollgremiums übernehmen. Das operative Geschäft liegt ausschließlich in der Verantwortung der Geschäftsführung. Eine Einmischung seitens des Aufsichtsrates darf es künftig nicht mehr geben. Dieser muss sich auf die üblichen Aufsichtsratstätigkeiten beschränken.

Die Schaffung eines sogenannten Wirtschaftsrates lehnt der Vorstand der Interessengemeinschaft ab. Damit würde die Verkleinerung des Aufsichtsrates konterkariert. Statt neue Gremien – auch Gremien „neben der Satzung“ – zu schaffen, müssen diese verkleinert bzw. in Bezug auf den Aufsichtsrat der Stadion GmbH mittelfristig abgeschafft werden.

Verbesserte Außendarstellung

Zu einem Neuanfang gehört jedoch auch eine stark verbesserte Außendarstellung des Vereins. Ohne dass man die Herzen der Anhänger wieder zurückgewinnt, wird es nicht gelingen, die Zukunft erfolgreicher zu gestalten. Deshalb fordert die Fan-IG eine unverzügliche Korrektur der bisherigen Vermarktungsstrategie zugunsten der traditionellen Werte der Alemannia und einer basisnäheren Ansprache der Anhänger. Die Orientierung an Maßstäben der Werbung treibenden Industrie ist nicht zielführend. Das betrifft die Präsentation der Alemannia ebenso wie die Inszenierung des Stadions.

Doch bei allen groben Fehlern, die auf Seiten der Alemannia Aachen GmbH gemacht worden sind, darf man auch die Rolle der Kommunalpolitik in dieser Affäre nicht verschweigen. Wer die Berichterstattung der vergangenen Tage verfolgt und die verschiedenen Einlassungen zu diesem Thema sorgfältig gelesen hat, muss zu dem Schluss kommen, dass die Stadt Aachen zumindest mündlich gemachte Zusagen im Hinblick auf das Baugrundstück nicht eingehalten hat. Zusagen, die der Alemannia einen nicht vorhersehbaren siebenstelligen Betrag aufbürdeten.

Zu guter Letzt sind auch die Anhänger gefragt. Trotz aller Fehlentwicklungen müssen sie der Alemannia ihr Vertrauen schenken. Wird dieses verweigert, ist jede Kraftanstrengung vergeblich. Die Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs wird den Prozess der Neuausrichtung kritisch begleiten. Sie appelliert aber auch an die Mitglieder und Anhänger, das in ihrer Macht stehende zu tun, um unseren Verein zu retten. Wir bitten alle Alemannen, die neue junge Mannschaft zu unterstützen, indem man ins Stadion kommt. Indem man das Stadion wieder zu „unserem“ Stadion macht. Der Aufruf geht ausdrücklich auch an alle Dauerkartenbesitzer, ihre Tickets für die kommende Saison zu verlängern. Denn diese wird maßgeblich darüber entscheiden, ob der schwarz-gelbe Fußball eine Zukunft in Aachen hat.

Der Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs e.V.

Kommentare: 4 Kommentare

4 Kommentare zu “Zeit für eine Neuausrichtung”

  1. Josef Schmitz sagt:

    Liebe Mit-Fans,

    das sind ja schwere Vorwürfe gegen Herrn Linden und andere. Gibt es dazu auch Belege? Was genau haben die Herren den getan? Wenn es dazu keine Details gibt, halte ich eine solche Veröffentlichung doch für zu gewagt.

    Euer

    Jupp

  2. Michael Scholen sagt:

    Hallo Alemannia-Fans,

    Habe mich nach langem hin und her und trotz der schlechten Saisonleistung unserer Alemannia dazu entschlossen nicht nur meine Dauerkarte zu verlängern, sondern eine Preiskatekorie höher meine Dauerkarte zu bestellen. Doch mehr bin ich nicht berreit bei den vorhandenen Aufsichtsratstrukturen für den Verein zu tun. Bin ebenfalls der Meinung das ein Neuanfang nur dann sinnvoll ist wenn der Aufsichtsrat mit Dr. Jürgen Linden, Hans-Peter Appel & Co. auch den Weg frei macht.
    Aus meiner Sicht sind jetzt genug Fehlentscheidungen dieser Herren passiert das uns wieder ziehmlich nah an den Abgrund geführt hat.
    Wenn das so weiter geht, sehe ich nicht mehr schwarz-gelb sondern nur noch schwarz. Daher unterstütze ich die Vorderung des Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs e.V. und verbleibe…

    Mit schwarz-gelben Grüßen
    Michael Scholen

  3. Klaus sagt:

    Eigentlich hat die Verfilzung überhaupt erst dazu geführt, dass das Stadionprojekt schön gerechnet wurde. Ohne das Entgegenkommen bei Punkten wie zu erstellende Parkplätze und Arbeiten im Umfeld des neuen Tivoli durch die Stadt, wäre eine Baugenehmigung gar nicht möglich gewesen.
    Gleichwohl ist gegen die Verfilzung vorzugehen, da hierdurch keine vernünftige Aufsichtsfunktion gewährleistet ist bzw. inkompentente Geschäftsführung noch unterstützt wird. Siehe zitiertes Interview: Kosten für Ausschreibung und Bürgschaft nicht beachtet – das ist amatuerhaft.

  4. Simon T. sagt:

    Zum Vorposter:
    Können sie nicht lesen? Solch einen Kommentar halte ich für zu gewagt, denn wenn man diesen „offenen Brief“ sorgfältig liest, wird deutlich klar welche Vorwürfe hier gegen Linden&Co. erhoben werden.

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