Die Bayern kommen

Alemannia und der FC Bayern

Das dritte Pokalaufeinandertreffen zwischen Alemannia Aachen und dem FC Bayern München in diesem Jahrtausend findet erstmals am neuen Tivoli statt, zweimal konnten die Kartoffelkäfer den übermächtigen Rekordmeister und –pokalsieger am alten Tivoli schon (mehr oder weniger sensationell) aus dem Wettbewerb schmeißen. Während das erste Aufeinandertreffen in 2004 für Alemannia fast eine „Auferstehung von den Toten“ war (es schloss sich Pokalfinale, UEFA Cup und die vorübergehende Komplettsanierung an) war das zweite im Jahr 2006 kurz vor Weihnachten schon fast ein Treffen auf „Augenhöhe“, da trennten die beiden Vereine gerade mal 10 Plätze in der Bundesligatabelle. Es folgte noch ein Bundesligasieg gegen die großen Bayern am Karnevalssamstag in 2007 und dann gingen die Wege wieder weit auseinander. Doch es waren nicht immer Welten die Bayern und Alemannia trennten, ein Blick zurück auf den 28.Juli 1962 beweist dies: An dem Tag als die Einführung der Bundesliga beschlossen wurde freuten sich beide Vereine auf die höchste Klasse. Doch die Ernüchterung folgte an der Krefelderstraße wie auch an der Säbener Straße in München am 6.Mai 1963, an diesem Tag erhielten beide Vereine Gewissheit, dass sie nicht zur „ersten“ Wahl gehörten und ins zweite Glied zurückversetzt wurden, obwohl beide eine Aufnahme in die Bundesliga sportlich durchaus verdient hatten. Die Bayern versuchten natürlich alle Möglichkeiten auszuspielen, scheiterten aber wie Alemannia in allen Belangen (heute wohl undenkbar) und mussten den bitteren Gang in die neu geschaffene Regionalliga antreten.

Gründungsjahr der Bundesliga ohne die Bayern?

Die Bayern außen vor? Wie war das möglich wird sich heute der Fußballfan fragen, reden wir doch über den wohl allmächtigsten Verein in Deutschland. Damals jedoch tickten die Uhren anders. Die Bayern waren nicht mal die Nummer eins in der bayrischen Landeshauptstadt, der Lokalrivale TSV 1860 war größer, populärer und erfolgreicher als der „kleine“ Nachbar. Ein kurzer Blick auf die Geschichte des FC Bayern beweißt: Ein einziger Meistertitel stand zu buche, und der wurde 1933 gegen die Frankfurter Eintracht gewonnen, ausgerechnet im Stadion des damals übermächtigen Rekordmeisters 1.FC Nürnberg. Im Jahr drauf verloren die Bayern ihre Qualifikationsspiele zur Meisterschaft gegen die Löwen relativ deutlich und verschwanden erstmal aus dem nationalen Fußballblickfeld. Nach dem Kriegsende dokumentiert die Tatsache dass in der Weltmeisterschaftself von 1954 kein einziger Bayer stand die relative Bedeutungslosigkeit des Vereins am besten, so spielte der FC Bayern lange nur eine mittelmäßige Rolle in der Oberliga Süd, stieg sogar 1955 einmal ab. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg lief es etwas besser, sensationell gewannen die Bayern den DFB Pokal 1957 gegen Fortuna Düsseldorf. Beinahe wären die Bayern im Jahr darauf von der Pleite erwischt worden, nur durch einen westdeutschen Geschäftsmann als Präsidenten konnten die finanziellen Probleme gelöst werden. In der Oberliga Süd erreichten die Bayern dann befreit von den finanziellen Sorgen jedes Jahr eine Platzierung im oberen Tabellenbereich, in den beiden Jahren vor der Bundesligagründung sogar jeweils den dritten Tabellenplatz. Es reichte trotzdem nicht für die Bundesliga, der Lokalrivale 1860 wurde vorgezogen und beim DFB wollte man keine zwei Vereine in einer Stadt, deshalb mussten die Bayern – wie Alemannia eigentlich sportlich qualifiziert – draußen bleiben.

Aufstieg im zweiten Anlauf

Im ersten Jahr in der Regionalliga belegten die Bayern Platz 2 und qualifizierten sich für die Aufstiegsspiele. Gleich im ersten Spiel gegen den FC St. Pauli gab es ein – auch damals schon national beachtetes – Debut: Ein 18 jähriger Jungstar namens Franz Beckenbauer gab seinen Plichtspieleinstand für den FCB beim 4-0 Sieg. Am Ende reichte es jedoch nicht für den Aufstieg in die oberste Klasse und die Bayern mussten – wie die Alemannia in der anderen Gruppe übrigens auch – einen neuen Anlauf nehmen. Für die nächste Spielzeit kam ein kleiner, bulliger Stürmer namens Gerd Müller als Verstärkung hinzu, die Bayern spielten eine souveräne Saison mit begeisterndem Angriffsspiel und marschierten in der Regionalliga Süd auf den ersten Platz. In der folgenden Aufstiegrunde zur Bundesliga trafen die Bayern auf den TSV Alemannia Aachen, der als leichter Favorit in dieser Gruppe galt. In München gewannen die Bayern mit 2-1 und am Tivoli trennte man sich mit 1-1, am Ende der Aufstiegsrunde standen die Bayern ganz oben und feierten endlich den (nur an der Säbener Straße) vielumjubelten Aufstieg in die Bundesliga!

Erstaunliches Bundesligadebut

Die Bayern legten mit ihrer jungen Mannschaft – die man heute wahrscheinlich als Boygroup bezeichnen würde – und dem medienwirksamen Trainer „Chick“ Cajkovski („kleines, dickes Müller“) eine furiose erste Bundesligasaison hin, die allerdings völlig im Schatten des Lokalrivalen 1860 stand. Die 60er waren amtierender Pokalsieger und spielten eine tolle Saison, wurden deutscher Meister und erreichten das Finale um den Europapokal der Pokalsieger gegen West Ham United (verloren allerdings 0-2). „Bin I Radi, bin I König“ so jubelte der Torwart der 60er Petar Radenkovic, der seinem Trainer Max Merkel damals durch spektakuläre Ausflüge in die gegnerische Hälfte Nerven und Haare kostete. „Pepi “ Heiß, Rudi Brunnenmeier und Peter Grosser hießen die großen Stars der Münchner Fußballszene in diesem Jahr. Die 60er machten den Meistertitel mit einem 2-0 bei Borussia Dortmund in einem quasi Endspiel am 33. Spieltag fest und feierten ausgiebig ihre Meisterschaft. Die Bayern belegten hinter diesen beiden Mannschaften den dritten Platz und nicht wenige sahen in diesem jungen Team eine Mannschaft der Zukunft, denn ein Titelgewinn und damit der „Durchmarsch“ war durchaus im Bereich des möglichen. Das zweite Jahr ist etwas schwieriger, auch für die Bayern galt dies. Am Ende sprang in der Weltmeisterschaftssaison ein 5. Platz heraus, das große Rampenlicht mussten die Bayern aber trotz des Gewinn des DFB Pokals (und eines spektakulären 2-1 Sieges n.V. gegen den Club im Halbfinale) den Dortmunder Borussen überlassen: Die schwarz gelben gewannen ein Jahr nach ihrem DFB Pokalsieg (gegen Alemannia Aachen am 22.05.1965 in Hannover mit 2-0) auch den Europapokal der Pokalsieger im Glasgower Hampden Park, Stan Libuda hieß der Schütze des legendären 2-1 Siegtores in der Verlängerung gegen den FC Liverpool und machte damit den BVB zum ersten deutschen Europacupsieger.
Nach dieser Saison verstärkten die Bayern sich mit Franz „Bulle“ Roth, der ein entscheidendes Puzzelteil für die kommenden, erfolgreichen Jahre der Bayern sein sollte. Heute würde man Bulle Roth als „Sechser“ bezeichnen, damals war er „Wasserträger“, Antreiber des eigenen und Zerstörer des gegnerischen Spiels.

„Krönung“ durch die ersten richtig erfolgreichen Jahre

In der Bundesliga rutschten die Bayern einen Rang nach unten und beendeten die dritte Saison auf dem sechsten Platz. Doch gleich zwei Pokalerfolge konnten die Münchner verbuchen: Sie verteidigten ihren DFB Pokal mit einen klaren 4-0 in Stuttgart gegen die damalige Lichtgestalt des deutschen Fußballs, „uns“ Uwe Seeler und seinem HSV. Noch besser war der andere Erfolg: Die Bayern gewannen den Europapokal der Pokalsieger mit einem hart erkämpften 1-0 gegen die Glasgow Rangers in Nürnberg, Franz „Bulle“ Roth war der viel umjubelte Torschütze mit einem mächtigen Knaller ins linke untere Eck in der Verlängerung. Die Bayern lösten den Lokalrivalen in der Zuschauergunst ab, König Radi trat ab und der „Kaiser“ Franz Beckbauer bestieg als Fußballer des Jahres den deutschen Fußballthron. Die Alemannia aus Aachen hatte in der Zwischenzeit ebenfalls den Weg ins Fußballoberhaus geschafft und beendete die Saison auf Platz 11. Gegen die Bayern gab es gleich im ersten Bundesligaspiel in der Geschichte des TSV eine herbe 0-4 Packung auf dem Tivoli, auch das Rückspiel in München an der Grünwalderstraße (das die Bayern sich mit den 60ern teilten) ging mit 1-4 deutlich verloren – das erste Bundesligagegentor des TSV ging übrigens auf das Konto des schon erwähnten „Bulle“ Roth.
Die Saison 1968/69 sollte dann für beide Vereine überaus erfolgreich enden: Die Bayern gewann souverän ihren ersten Bundesligatitel und Alemannia sicherte sich den Vizemeistertitel, mit allerdings respektablen Abstand zu den nun „großen“ Bayern. Am 10. Spieltag siegten die Bayern auf dem Tivoli mit 4-2, doch es war kein „Klassenunterschied“ zu den Bayern mehr erkennbar. In München erkämpften die Alemannen sich ein durchaus respektables 1-1, führten lange mit 1-0 durch das Tor von Heinz-Gerd Klostermann und hatten den kommenden Meister am Rande einer Heimniederlage. Die Bayern beseitigten am 32. Spieltag mit einem 5-1 gegen Kickers Offenbach jeden Zweifel und machten die Meisterschaft fest, die Alemannia schlich sich langsam nach oben und zog durch ein 1-0 in Berlin am letzten Spieltag noch am „ungeliebten“ Nachbarn aus Ost Heinsberg vorbei auf den zweiten Tabellenplatz.
Im Jahr drauf zeigten beide Vereine was sie unterscheidet: Alemannia zerstörte sich selber – durch den plötzlichen Erfolg übermütig geworden wollten auf einmal viele „mitreden“ und das was Alemannia erfolgreich gemacht hatte wurde vernichtet. Der TSV wurde abgeschlagen Letzter und die Saison war sportlich niederschmetternd -auch wenn man im Pokal immerhin das Halbfinale gegen den 1.FC Köln erreichte (0-4). Die Nachbarn von Niederrhein setzten zudem noch einen drauf und feierten mit spektakulärem Konterfußball ihre erste deutsche Meisterschaft und avancierten zum Hauptgegner der Münchner Bayern auf nationaler Ebene für die nächsten 10 Jahre, jene Bayern die locker und leicht mit 3- 1 am Tivoli siegten und im Rückspiel – das letzte Aufeinandertreffen für lange Zeit -das Alemannen Torso mit 6-0 quasi aus der Bundesliga fegten. Für Alemannia begannen 30 Jahre schwere sportliche Zeiten, während für die Bayern goldene Zeiten anbrachen! Zwar wurden sie „nur“ Zweiter in der Liga und schieden in ihrem ersten Auftritt im Europapokal der Landesmeister gleich in der Vorrunde gegen AS St. Etienne aus, aber eigentlich war jedem klar dass diesem Verein die nächsten Jahre gehören würde, zumal der Umzug in das große, kommende Olympiastadion anstand und der Lokalkonkurrent TSV 1860 zusammen mit der Aachener Alemannia aus der Bundesliga verschwand.

Die „goldenen“ 70er Jahre

Noch einmal mussten die Bayern dem Konkurrenten von Niederrhein den Vortritt lassen, ausgerechnet am letzten Spieltag unterlagen die Bayern in einem knüppelhartem Spiel beim MSV Duisburg mit 0-2 und mussten die Gladbacher an sich vorbeiziehen lassen. Nie vergessen werde ich das Bild vorm Anpfiff in Duisburg, als der Meidericher Kapitän Hartmut Heidenreich bei dem Wimpeltausch schon überaus finster drein blickte und man erahnen konnte, was die Bayern in Duisburg erwarten würde. Erfolg konnte allerdings im DFB Pokal vermeldet werden: Mit dem neuen Trainer Udo Lattek gelang der fünfte Sieg im fünften Finale in diesem Wettbewerb. Nach diesem Spiel vermeldete der FC Bayern zwei Neuzugänge für die kommende Saison: Paul Breitner und Uli Hoeneß, beide gerade mal 18 Jahre alt. Angestachelt durch die beiden Vizemeisterschaften drehten die Bayern in der Saison 71/72 richtig auf und schafften neben der Meisterschaft ein paar Rekorde: Mit 11-1 besiegte man die Borussia aus Dortmund und mit 101 Toren wurde ein Torrekord aufgestellt der heute noch Bestand hat. Im letzten Spiel der Saison, gleichzeitig das Eröffnungsspiel im Olympiastadion wurde der hartnäckigste Verfolger FC Schalke 04 mit 5-1 besiegt und die (dritte) Meisterschaft des FC Bayern stand zu Buche. Im folgenden Jahr hatten die Bayern auf nationaler Ebene keine echten Gegner mehr, sie dominierten ihre Gegner nach Belieben, waren vom ersten bis zum letzen Spieltag an erster Stelle und feierten logischerweise auch den nächsten Meistertitel. Im Europacup taten sich die Bayern allerdings etwas schwerer, tief saß der Stachel der Enttäuschung als man mit 0-4 beim späteren Sieger Ajax Amsterdam und dem überragenden Johann Cruyff ausschied, zwar gelang im Rückspiel ein 2-1 aber das war nichts für die mittlerweile erfolgsverwöhnten und leicht arrogant auftretenden Bayern. Der Titelhattrick gelang in der Bundesliga mehr oder weniger unaufgeregt, der Sieg im Europapokal der Landesmeister war dagegen Nervenkitzel pur: Elfmeterschießen im schwedischen Advidaberg, 4-3 und 3-3 gegen den DDR Meister Dynamo Dresden und dann ein 1-1 n.V. im ersten Finalspiel gegen Atletico Madrid mit dem Ausgleich durch „Katsche“ Schwarzenbeck in letzter Sekunde. Das Wiederholungsspiel gewannen die Bayern dann allerdings souverän mit 4-0 und wurden als erste deutsche Mannschaft Sieger in diesem Wettbewerb.
In den nächsten zwei Jahren dominierten die Bayern auch diesen Wettbewerb und gewann die Landesmeistertrophäe dreimal in Folge (gegen Leeds mit 2-0 und gegen St. Etienne mit 1-0) und legte damit den wirtschaftlichen und sportlichen Grundstein für ihre absolute Ausnahmestellung in Deutschland. Zwar verließ Paul Breitner in der Zwischenzeit den Verein Richtung Real Madrid aber die Münchner angelten sich ein Juwel des deutschen Fußballs mit dem jungen Rotbäckchen Karl Heinz Rummenigge. In der heimischen Liga lief es allerdings nicht wirklich rund, Udo Lattek wurde gefeuert und man gab Detmar Cramer die Gelegenheit sich als „Professor“ zu beweisen. Dreimal hintereinander gewannen die Fohlen aus Gladbach – davon zweimal unter Udo Lattek (!)- die Bundesligameisterschaft und zogen nach Meisterschaften mit den Bayern gleich (beide 5 mal). Die Bayern krönten sich jedoch mit dem Sieg im Weltpokal gegen Belo Horizonte, doch damit fiel die große Mannschaft auseinander. Der Kaiser verließ München und spielte mit Pele in der „Operettenliga“ in den USA bei Cosmos New York, Uli Hoeneß wechselte zum 1. FC Nürnberg, Sepp Maier musste seine Karriere nach einem Autounfall beenden und auch Gerd Müller zog es in die USA. In der Bundesliga reichte es gerade mal für Platz 12 (schlechteste Platzierung der Bayern überhaupt) und auch im Folgejahr sprang nur ein vierter Rang heraus.

Eine Ära zu Ende – die nächste folgte sofort

Nach zwei Meistertiteln in den Saisons 79/80 und 80/81 machten die Bayern Platz für eine kurze Herrschaftsphase des HSV: Mit Günther Netzer (Manager) Ernst Happel (Trainer) Felix Magath, Horst Hrubesch und Franz – ja Franz Beckenbauer – holten die Hamburger zweimal den Meistertitel, blieben einmal saisonübergreifend 36 Spiele in Folge ungeschlagen und gewannen auch den Europapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin. Die Bayern hatten zuvor das Finale gegen Aston Villa unglücklich mit 0-1 verloren. Der neue Manager Uli Hoeneß hatte seinen Bruder Dieter an die Isar gelockt und der sorgte im Pokalfinale gegen den 1.FC Nürnberg für unvergessene Momente: Nach einem Zusammenprall blutete Dieter in Strömen am Kopf, ließ sich nähen und kam mit einem Turban zurück aufs Spielfeld und köpfte (!) das entscheidende Tor zum Sieg.
Es war Uli Hoeneß der die Bayern zum dominanten Verein der Bundesliga schuf. Er holte Paul Breitner zurück, schwächte seine stärksten Konkurrenten in dem er immer wieder die besten Spieler zum FC Bayern holte und schaffte es, seine finanziellen Mittel so einzusetzen dass die Münchner immer besser da standen. In München hatte er zudem den besten politischen und wirtschaftlichen Nährboden gefunden, nur zu gern unterstützten Politik und bayrische Wirtschaft das „Hegemoniestreben“ der Bayern.
Während andere Vereine nach erfolgreichen Phasen wieder in der Versenkung verschwanden, war Uli Hoeneß immer bestrebt mit aller Macht den FC Bayern an der Spitze zu halten, was meistens gelang. War einmal ein Emporkömmling gefährlich, wurde er verbal herausgefordert und meistens damit schon geschwächt. Wer kann die „Scharmützel“ zwischen Uli Hoeneß und Christoph Daum vergessen, der mit aller Macht versuchte dagegen zu halten? Uli Hoenß dominantes Auftreten verschaffte ihm nicht nur Freunde, bald war er einer der meist gern gehassten Figuren im deutschen Fußball und das Bayern Image verkam ein bisschen zur arroganten, überheblichen Truppe, die nur erfolgreichen Verwaltungsfußball spielte aber nicht schön und begeisternd. Kaum holten die Bayern Spieler wie Lothar Mathäus an die Isar, mutierten diese vom Publikumsliebling zu arroganten „Superstars“. Zwar wuchs die Zahl der sogenannten Fans immer weiter, genau so aber auch die der strikten Bayern Gegner, so behauptete einst Harald Schmidt dass die Bayern 8.000 echte Fans besitzen und etwa 8 Millionen Erfolgsparasiten. Das einzige was man den Bayern in dieser Phase zu gute halten konnte waren peinliche Ausrutscher im Pokal bei kleinen Underdogs wie Bayern Hof, Spvgg Bayreuth, FV Weinheim oder gar Verstenbergsgreuth. Immer wieder hatte die Mannschaft Probleme sich gegen die vermeintlich „kleinen“ zu motivieren und rutschte zur Freude der restlichen Nation aus dem Pokal. Mentale Stärke bewiesen die Bayern aber auch, so fingen sie mehrfach Konkurrenten am letzten Spieltag ab und schnappten ihnen die Meisterschaft vor der Nase weg, häufig nachdem die Gegner durch verbale Attacken aus der bajuwarischen Landeshauptstadt eingeschüchtert waren. In den 80ern holten die Bayern 6 von 10 möglichen Meisterschaften und überholten den Club als Rekordmeister. Kleinere Schwächephasen wurden immer wieder bewältigt und kein Konkurrent konnte auf Dauer mit den Münchnern mithalten. Nur der heiß ersehnte internationale Titel blieb dem FC Bayern verwehrt, man verlor zweimal das Finale der Landesmeister, einmal gegen Aston Villa und zum zweiten gegen den FC Porto, unter anderem auch durch den „frechen“ Hackentrick des Algeriers Madjer, der zum 1-1 Ausgleich führte.

Die goldenen 90er – für Bayerns Ansprüche nur mäßig

Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Rom 1990 machte Uli Hoeneß zunächst große Kasse und verkaufte Kohler und Reuter zu Juventus Turin. Mit 5 von 10 Meisterschaften, nur einem Pokalsieg und dem UEFA Cup Erfolg waren die Bayern zwar äußerst erfolgreich, aber ihren eigenen Ansprüchen genügte das nicht. Zumal auch mit Borussia Dortmund ausgerechnet in München der erste Deutsche Verein die neugeschaffene Championsleague gewinnen konnte, ein Titel, der den Bayern auch in diesem Jahrzehnt verwehrt bliebt. Das lag an einem höchst unglaublichen Endspiel gegen Manchester United, in dem die Bayern lange 1-0 führten und mehrere große Chancen vergaben den Sack zu zumachen. Schließlich schlug ManU innerhalb von 90 Sekunden zweimal in der Nachspielzeit eiskalt zu und nahm den Bayern den schon sicher geglaubten Pokal aus den Händen.
Die 90er standen aber auch für ein paar bemerkenswerte Bayern Episoden. Zum einen tat sich Oliver Kahn als absoluter Heißsporn hervor, der mehrfach Gegenspieler handgreiflich anging, sein Kung Fu tritt gegen Chapuisat , der Biss in Heiko Herrlichs Ohr oder seine großen Sprüche vor den Mikrofonen, wahrscheinlich um in die Fußstapfen von Uli Hoeneß zu treten. Dann war da die unvergessene Wutrede von Giovanni Trappatoni („Flasche leer“) oder der unrühmliche Abgang von Otto Rehagel – der kurz darauf mit dem Aufsteiger Kaiserslautern wiederkam, im ersten Spiel nach Wiederaufstieg gleich in München gewann und den Bayern die Meisterschaft als Aufsteiger abnahm, oder Jürgen Klinsmann’s Tritt in die Werbetonne nach einer Auswechslung. Balsam auf die „geschundenen“ Bayernseelen musste da der Meistertitel in der Saison 99/2000 gewesen sein, als man dem liebsten Bayernfeind Christoph Daum am letzten Spieltag die Schale wegnehmen konnte, die Leverkusener unterlagen sensationell in Unterhaching mit 0-2 und begründeten damit ihren Ruf als „Vizekusen“.

Das neue Jahrtausend – Bayern besser denn je aber kein „Meister der Herzen“

Unter dem ehemaligen Dortmunder Meistertrainer Ottmar Hitzfeld erreichten die Bayern eine weitere Herzschlagmeisterschaft, die Schalker Spieler und Fans feierten schon 2 Minuten die Schale als Sergej Babarez den HSV in der 90. Minute in Führung schoss und das Spiel beendet schien. Doch Schiri Merck pfiff nicht ab bevor er die Bayern zur Meisterschaft gebracht hatte, in der 4. Minute der Nachspielzeit sprach er den Münchnern einen höchst fragwürdigen Freistoß zu (nachdem der HSV Torwart eine vermeintlichen Rückpass aufgenommen hatte), der landete als letzte Aktion im HSV Tor und brach viele tausende Schalker Fußballherzen. Der große Wurf aber gelang in der Championsleague, zwei Jahre nach dem denkwürdigen Finale in Barcelona kehrten die Bayern auf den europäischen Thron zurück und besiegten im Elfmeterschießen den FC Valencia. Die Bayern holten sogar noch den Sieg im Weltpokalendspiel gegen Boca Juniors – dem allerdings dann ein 1-2 auf St. Pauli das Weltpokalsiegerbesieger T-Shirt folgte.
Die Bayern machten dann aber durch einen handfesten Skandal fast mehr auf sich aufmerksam, wahrscheinlich hätte diese Aktion jeden anderen Verein mindestens die Lizenz gekostet, der FC Bayern kam mit einer vergleichsweise milden Strafe davon. Die Münchner hatten an der Liga vorbei eine „Geheimvertrag“ mit Leo Kirch (dem damaligen Medienmogul) geschlossen, der ihnen 40 Millionen DM in die Kasse spülte, dafür sollte die Lobbyarbeit gegen die Zentralvermarktung der Fernsehrechte von den Bayern eingestellt werden. Insgesamt belief sich der Deal sogar auf 190 Millionen DM, wurde aber durch die Insolvenz der Kirchgruppe publik gemacht. 3 Millionen mussten die Bayern als blaues Auge Strafe zahlen und damit war die Sache „erledigt“.

Offensichtlich hat bei den Bayern danach ein „Umdenken“ stattgefunden, man setzt sich plötzlich für andere, in Not geratene Vereine ein und spielt den Musterknaben. Titel sammelte man auch, wieder gewannen die Münchner die Hälfte aller in diesem Jahrzehnt möglichen Meisterschaften (5) und auch 6 mal den DFB Pokal, lediglich der Aachener Alemannia war es vorbehalten gegen die Bayern in mehr als zwei Spielen eine positive Bilanz vorzuweisen: Von insgesamt 4 Spielen gewann der TSV drei und unterlag nur im Bundesligaspiel in München unter tatkräftiger Mithilfe der Schiedsrichter mit 1-2.

Die Bayern sind der mit Abstand erfolgreichste Verein Deutschlands und wohl auch der einzige solide finanzierte Fußballclub der Welt. Kein anderer Verein kann auf solch positive Bilanzen verweisen wie die Münchner, andere mögen größere Erfolge vorweisen können, aber das wohl immer auf Kosten der Wirtschaftlichkeit. Welches Fußballunternehmen kann schon ein solches Projekt wie die Allianz Arena aus eigener Kraft stemmen? Gerade in Aachen weiß man nur zu gut wie schwierig ein wirtschaftlicher Stadionbau ist!

Das Treffen in diesem Pokalspiel steht unter noch größeren unterschiedlichen Vorraussetzungen als vor fast 4 Jahren, die Bayern sind eigentlich in Deutschland allen anderen enteilt (auch wenn wahrscheinlich Borussia Dortmund die Meisterschaft einfahren wird) und haben eine Mannschaft die das Zeug hat die Championsleague zu gewinnen – Alemannia muss froh sein überhaupt noch zu existieren und bringt eine junge, unerfahrene Truppe aufs Feld. Doch Erik Meijer hat immer seine Heimspiele gegen die Bayern gewonnen – hoffen wir dass es dabei bleibt!

(ags)

Schreibe einen Kommentar

*