Red Bull und der Fußball: Einige Überlegungen zur Bedeutung von RB Salzburg

Der Getränkehersteller Red Bull aus Salzburg engagiert sich schon seit einigen Jahren im Sportsponsoring, vor allem im Renn- , Winter-, Wasser- und Extremsport. Für massive Kritik der traditionellen Fans sorgt allerdings die Beteiligung im Fußball: Red Bull unterhält Mannschaften in Salzburg, Leipzig, New York, Sogakope (Ghana) und São Paulo (Brasilien). Um die scharfe Kritik an diesem Projekt zu verstehen, ist ein Blick in dessen Geschichte notwendig.

Das Fußballsponsoring der Red Bull GmbH begann im Heimatland der Firma, in Österreich. Unter der Federführung des Mitinhabers Dietrich Mateschitz übernahm Red Bull den SV Austria Salzburg, einen der traditionsreichsten und bedeutendsten Fußballvereine Österreichs. Die alten Vereinsstrukturen wurden aufgelöst; der Vorstand des eingetragenen Vereins, der nach wie vor Lizenznehmer der Bundesliga ist, wird nun von Red Bull gestellt. Fan- und Mitgliederproteste in Salzburg und ganz Österreich blieben ohne echte Wirkung auf die Entscheidung der Mitgliederversammlung, die Red Bull den Einstieg ermöglichte.
Allerdings konnte diese Entscheidung vor allem deswegen so geräuschlos fallen, weil die Übernahme von Vereinsanteilen in der Österreichischen Bundesliga durchaus üblich ist: Schon in den Jahren zuvor war die Austria als SV Wüstenrot Salzburg angetreten, andere Beispiele finden sich zuhauf.

Infolge der Übernahme räumte Red Bull mit den Vereinstraditionen radikal auf: Die Vereinsfarben und das Vereinswappen wurden geändert, Fußballfans mit alten violett-weißen Utensilien durften das Stadion nicht mehr betreten. Auch die Geschichte des Vereins wurde ausgelöscht: Der FC Red Bull Salzburg gibt als Gründungsjahr 2005 an: „Keine Kompromisse. Das ist ein neuer Klub. Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte, es gibt kein Archiv.“ Passend dazu entfielen die alten Farben beinahe komplett, einzig violette Torwartstutzen wurden den Fans angeboten. Angesichts dieser Auslöschung ihrer Traditionen gründeten enttäuschte Fans – fast alle registrierten Austria-Fanclubs! – den SV Austria Salzburg neu.

Ähnlich verhielten sich die Dinge in Leipzig ab 2009. Allerdings sperrten sich hier die traditionsreichen Vereine 1. FC Lokomotive und FC Sachsen (bei dem der Einstieg scheiterte), sodass Red Bull sich den Vorortklub SSV Markranstädt aussuchte. Mit einem komplexen System aus Übernahmen, Lizenzübertragungen und anschließenden Ausgliederungen wurde RB Leipzig gegründet. Da nach den Statuten des DFB und des Sächsischen Fußballverbandes (SFV) eine Namensänderung durch einen Investor nicht zulässig ist, firmiert der Verein als RasenBall Leipzig und tritt in der Red Bull Arena, dem alten Zentralstadion, an. Das Vereinswappen, das zwei rote Bullen mit der gelben Red-Bull-Sonne zeigt, darf wegen einer widersprechenden Bestimmung des SFV nur inoffiziell verwendet werden.

Ansonsten kennzeichnen den Leipziger Verein dieselben Dinge wie die anderen RB-Franchises: Es gibt keine Mitgliedermitbestimmung (in Leipzig sind nur Red Bull und einige leitende Angestellte Mitglied des Muttervereins), die Trikots und Vereinsfarben, Stadionnamen und Vereinswappen sind übergreifend geregelt, das Sportmanagement arbeitet zentral. Ebenso funktionieren die Franchises in den USA, Ghana und Brasilien.
In jeder Hinsicht heben sich die Red-Bull-Franchises bewusst vom traditionellen Fußballverein ab: Tradition und Mitgliedermitbestimmung werden verneint, Trainer und Funktionäre beliebig hin- und hergeschoben. Aus der beschrieben Geschichte heraus und aus den genannten Gründen speist sich der Widerstand vieler Fanclubs und –organisationen.

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