Bericht über den Offenen Abend am 5. Juni 2018

Intensive Diskussionsrunde mit und über Ultras

 

„Was tun nach dem neuen Pyro-Ärger?“, lautete die Fragestellung beim jüngsten Fan-Abend im Werner-Fuchs-Haus. Um es gleich vorweg zu sagen: Ultimative Antworten wurden nicht gefunden, aber das war angesichts der schwierigen Fragestellung wohl auch nicht zu erwarten. Im kleinen Kreis von rund zwei Dutzend Gästen entwickelte sich unter der Moderation von IG-Sprecher Thomas Wenge dennoch eine lebhafte und intensive Diskussion. Interessant wurde die zweistündige Gesprächsrunde vor allem dank der Teilnahme einiger Anhänger aus der Ultragruppierung Yellow Connection.

 

Bei der Frage, ob sie selber an den viel kritisierten Pyro-Aktionen in Essen und vor allem in Bonn aktiv beteiligt waren, hielten sich die YC-Vertreter verständlicherweise bedeckt. Sie machten allerdings keinen Hehl daraus, dass sie die Devise „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ im Grundsatz unterschreiben und dass sie Pyro als prägenden Teil der Ultrakultur sowie als „geilen“ Stimmungsanheizer im Stadion verstehen. Vom „brennenden Betze“ und der tollen Atmosphäre in hell erleuchteten italienischen Stadien sei im Übrigen schon zu Zeiten geschwärmt worden, als es die moderne Ultra-Szene noch gar nicht gegeben habe.

Deutlich distanzierten sich die Ultras aber von jeglicher fahrlässigen oder gar „waffenartigen Verwendung“ von Rauchfackeln. „Brennende Fackeln achtlos wegzuwerfen oder sie sogar als Waffe gezielt in Richtung Ordner oder aufs Spielfeld zu schmeißen, ist ein absolutes No-Go“, betonte ein YC-Anhänger.

 

Die Frage, ob man sich als Alemannia-Fan bezeichnen und „seinem“ Verein durch verbotene Aktionen gerade in wirtschaftlich so schwierigen Zeiten dennoch bewusst Geldstrafen aufhalsen könne, werde auch in der Ultra-Szene kontrovers diskutiert. Nach seinem Eindruck gebe es in den Gruppen viele besonnene Kräfte, aber eben auch „Leute, die sich in bestimmten Situationen einfach nicht mehr bremsen lassen“, meinte ein YC-Mitglied. Auch sei es schon vorgekommen, dass einzelne Fans, die gar keine direkte Verbindung mit den Ultras hätten, „plötzlich einen Rauchtopf geschwenkt“ hätten. Wegen solcher ungeplanten Überraschungsaktionen und weil es in Ultra-Umfeld ganz unterschiedliche, zuweilen wechselnde Strömungen gebe, könne letztlich auch kein Gruppensprecher für längere Zeit oder gar auf Dauer einen kompletten Pyro-Verzicht garantieren.

 

Die Erfahrung zeige jedenfalls, dass Pyrotechnik mit den von den Vereinen und Verbänden verfolgten Verbots- und Bestrafungsstrategien nicht aus den Stadien zu verbannen sei. Wünschenswert sei vielmehr eine auf Verbandsebene zu führende Intensivierung der Diskussion über eine kontrollierte Freigabe der Pyrotechnik. Dies habe sich in anderen Ländern durchaus bewährt.

 

Vorerst offen blieb die Frage, wie die Fan-IG auf die jüngsten Vorkommnisse reagieren soll. Eine lockere Zusammenarbeit gibt es mit der derzeit nicht aktuellen YC-Anti-Investor-Initiative „Alemannia verkauft man nicht“. Auch steht die Fan-IG ebenso wie fast 50 andere Gruppen auf der Unterstützerliste der von der KBU angeführten Wüwa-Initiative „Tivoli erhalten“. Inwieweit das so bleiben soll, wird der Vorstand in den nächsten Wochen diskutieren.

 

Der von der YC geäußerten Bitte, weiterhin nicht nur übereinander, sondern miteinander zu sprechen, möchte die IG gerne nachkommen. Angedacht ist die Bildung eines Runden Tisches mit Vertretern der Ultras, der Fanclubs, des Alemannia-Präsidiums, der Alemannia-Geschäftsführung und der Alemannia-Fanbetreuung. Eine ähnliche Runde ist dem Vernehmen nach vom Präsidium schon terminiert worden – zu unserem Bedauern allerdings ohne Beteiligung der Fan-IG und der „normalen“ Fanclubs. Wir gehen aber davon aus, dass auf der Alemannia-Jahreshauptversammlung am 12. Juni über das Thema berichtet wird, so dass die IG auf Grundlage dieser neuen Informationen konkreter über das weitere Vorgehen beraten kann.


 

 

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