Protokoll des Offenen Abends mit dem kommissarischen Präsidium

Zwischendurch durften sich Max Baur, Martin Fröhlich und Rüdiger Coerdt über spontanen Applaus freuen: Nachdem ein Versammlungsgast den drei Mitgliedern des kommissarischen Alemannia-Präsidiums Dank dafür ausgesprochen hatte, dass sie in diesen schweren Zeiten Verantwortung übernommen haben, brandete im Werner-Fuchs-Haus zustimmender Beifall auf. Etwa 40 Gäste waren beim offenen IG-Abend dabei und diskutierten fast drei Stunden lang mit Baur, Fröhlich und Coerdt. Das Trio beantwortete die vielen Fragen zwar ausführlich, aber nicht wirklich ergiebig. Die wichtigsten Themen im Überblick:

Saisonplanung/Saisonetat 1. Mannschaft: Nachdem Insolvenzverwalter Christoph Niering beim IG-Abend im Mai mitgeteilt hatte, dass bereits rund 80 Prozent der geplanten Sponsoreneinnahmen in Höhe von 1,65 Millionen Euro (geplanter Gesamtetat der GmbH: 2,5 Millionen Euro) zugesichert seien, kam nun ein Dämpfer: Laut Martin Fröhlich ist die Sponsorenakquise seitdem ein wenig ins Stocken geraten. Auch die Suche nach einem neuen Hauptsponsor gestalte sich schwierig. Bei welchem Prozentsatz man augenblicklich stehe, wurde auch auf Nachfragen nicht mitgeteilt. Zudem wurde von „gewissen Problemen“ mit dem vertraglich weiterhin an die Alemannia gebundenen spanischen Ausrüster Joma berichtet.
Der Dauerkartenverkauf werde in Kürze beginnen. Der vom Insolvenzverwalter bestellte Interimsmanager Andreas Pulver arbeite mit Hochdruck an der Vorbereitung. Der feste neue GmbH-Geschäftsführer werde erst nach der Jahreshauptversammlung von der neuen Vereinsführung eingesetzt.
Wie die für den 17. Juli angekündigte Saisoneröffnung gestaltet werden soll und ob sie trotz des „Soerser Sonntags“ am Tivoli stattfinden kann, ist noch offen.
Das kommissarische Präsidium betonte, dass man bei der Neuausrichtung der GmbH verstärkt auf die Einbindung von Ehrenamtlern setze. Man könne aber derzeit noch keine detaillierten Konzepte vorlegen.
Gespräche mit Rat, Oberbürgermeister und Verwaltung wurden und werden laut Martin Fröhlich geführt – zwar in freundlicher Atmosphäre, aber bislang ohne große Aussichten auf ein die Alemannia wirtschaftlich entlastendes Entgegenkommen seitens der Stadt.

Abmeldung 2. Mannschaft: Dass selbst Leute wie Obmann Manfred Werner, der sich über viele Jahre lang enorm für die Zweite eingesetzt hat, nicht vom Verein selbst, sondern aus den (Verbands-)Medien von dem schmerzlichen Schritt erfahren haben, bezeichnete Max Baur unumwunden als höchst bedauerlichen Kommunikationsfehler, für den man sich bereits persönlich entschuldigt habe. Man werde alles daran setzen, Werner (und andere) weiterhin in den sportlichen Bereich einzubinden.
Die Frage, welche Kosten die 2. Mannschaft in der abgelaufenen Saison verursacht hat und welches konkrete Einsparpotenzial die Abmeldung mit sich bringt, blieb unbeantwortet.
Aus der Versammlung heraus wurde der Schritt insgesamt recht kritisch bewertet. Einerseits verlören viele A-Jugendliche, die nicht gleich den Sprung in die 1. Mannschaft schaffen, die Möglichkeit, sich bei der Alemannia im Seniorenbereich weiterzuentwickeln. Andererseits habe der Verein im Falle einer GmbH-Liquidierung gar keine Seniorenmannschaft mehr im Spielbetrieb und müsse im Extremfall tief unten in der Kreisliga neu anfangen. Ob diese Befürchtung tatsächlich stimmt, konnte mangels detaillierter Kenntnisse des Verbandsrechts nicht abschließend geklärt werden.

Auflösung Nachwuchsleistungszentrum (NLZ): Auch hier wurden einige kritische Stimmen laut. Die Mitteilung des Insolvenzverwalters auf der Vereinshomepage sei inhaltlich sehr dürftig. Wenn man den Unterbau, wie von Niering angedeutet, auf eher breitensportlichen Jugendfußball umstelle, werde es über kurz oder lang auch kaum möglich sein, den B- und A-Jugend-Fußball auf hohem Niveau zu halten und dort Talente für die 1. Mannschaft auszubilden.
Die Präsidiumsmitglieder bezeichneten die zu erwartenden Einschnitte als bedauerlich und schmerzlich, aber mit Blick auf den Sparzwang als unumgänglich. Sie verwiesen mehrfach darauf, dass in allen die GmbH betreffenden Finanzfragen der Insolvenzverwalter das letzte Wort habe. Auch bei der Frage, wie viel Geld durch die NLZ-Auflösung unterm Strich eingespart und wie die neue Struktur des Jugendfußballs konkret ausgestaltet werde, wurde auf Niering verwiesen. Die NLZ-Kosten in der abgelaufenen Saison bezifferte man grob auf rund 250.000 Euro.
Zumindest nicht endgültig gesichert ist, dass alle Jugendteams weiterhin auf den Parkdeck-Plätzen trainieren und spielen werden. Laut den Präsidiumsmitgliedern verhandelt der Insolvenzverwalter noch mit dem Vermieter der Plätze. Es sei theoretisch auch denkbar, für die dem e.V. zugeordneten jüngeren Jugendmannschaften Trainingszeiten auf städtischen Plätzen zu beantragen.

Präsidentschaftskandidatur Martin Fröhlich: Entsprechende Andeutungen in einem Bildzeitungsartikel stellte Fröhlich dahingehend richtig, dass seine Äußerungen in dem Artikel missverständlich wiedergegeben worden seien. Er könne sich grundsätzlich zwar vorstellen, wieder für ein Amt zu kandidieren, könne zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen, welches Amt dies sein werde.

Suche nach Präsidiums- und Gremienkandidaten: Die Jahreshauptversammlung mit Neuwahl des Präsidiums, des Verwaltungsrates und der beiden aus der Mitgliedschaft zu rekrutierenden GmbH-Aufsichtsratsmitglieder wurde auf den 5. September gelegt. Mit Blick auf die Satzung müsse zügig gehandelt werden, so Max Baur. Das heiße aber nicht, dass das kommissarische Präsidium schon feste Kandidaten für die einzelnen Posten im Blick oder gar ein Präsidiumsteam in der Hinterhand habe. Es gebe bislang lediglich einen Kreis von etwa zehn Leuten, die sich grundsätzlich zu Kandidaturen für diverse Ämter bereiterklärt hätten. Deshalb sei man weiterhin offen und sehr dankbar für Kandidatenvorschläge auch aus Reihen der Fans der Mitglieder.
Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass alle Kandidaturen laut Satzung bis 50 Tage vor der Versammlung – also bis zum 17. Juli – bei der Vereinsgeschäftsstelle angemeldet werden müssen. Finden sich bis zum Fristablauf nicht genügend Kandidaten, dann könnten sie auf der JHV auch nicht gewählt werden und einzelne Ämter müssten notfalls unbesetzt bleiben.
Aus Fankreisen wurde mehrfach Horst Heinrichs als bester denkbarer Präsidentschaftskandidat ins Gespräch gebracht. Mit ihm hat das kommissarische Präsidium noch nicht gesprochen, will dies aber zeitnah tun.
Eher nebenbei wurde bekannt, dass VR-Mitglied Dirk Schlun vor einigen Wochen zurückgetreten ist und dass der amtierende Verwaltungsrat beschlossen hat, auf der JHV geschlossen zurückzutreten, um den Weg für eine komplette Neuwahl freizumachen.
Derweil gab Didi Lübbers, langjähriger Vorsitzender des Fanclubs Stolberger Tivoli Jonge, seine Kandidatur für den Verwaltungsrat bekannt. Der Vorstand der Fan-IG wird in Kürze weitere Vorschläge für die aus der TSV-Mitgliedschaft zu benennenden Kandidaten unterbreiten (ausführliche Informationen folgen).


 

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